Wenn ich unsere diesjährige Reise mir vor meinem geistigen Auge visualisiert hatte, dann war es meist dieser Moment. Ich sitze am Ufer des Kunene Flusses, der Epupa Wasserfall rauscht und auf der anderen Uferseite sehe ich die Berge Angolas. Und genauso ist es. Wir stehen unter Palmen unmittelbar am Ufer des Grenzflusses, links von mir sehe ich die Gischt des Wasserfalls und direkt mir gegenüber das wilde, unbewohnte Ufer Angolas. Wir haben somit Namibia von Süd nach Nord einmal komplett durchreist. Warum habe ich diesen Augenblick „ersehnt“ … weil hier das „richtige“ Reisen, das Neue entdecken für Conny und mich beginnt.

Dies ist unsere zweite Reise nach Namibia. Bereits 2011 besuchten wir mit unserer Tochter dieses wunderbare afrikanische Land und beschlossen bereits während der Reise damals, dass wir wieder kommen werden und dann nicht von Lodge zu Lodge hopsen, sondern mit einem Dachzelt unterwegs sein werden. Wir reisten damals durch den „weissen“ Süden des Landes – Afrika ligth! Swakopmund und die Waterberg Region waren unsere nördlichsten Stationen, bevor es wieder zurück nach Windhoek ging.

Dieses mal war das spektakuläre Spitzkoppe Massiv für uns das Tor zur „terra incognita“ … unbekanntes Reiseland. In der glühenden Mittagshitze erreichen wir das Gate zum Berg, lösen das obligatorische Permit und fahren dem rot strahlenden Berg entgegen. Ein Abenteuerspielplatz für Kletterfreunde. Natürlich kraxeln wir auf einen mittelhohen Felsen (einfaches Plattenklettern) und bewundern Namibias „Matterhorn“. Noch spektakulärer ist der Blick unter einer natürlichen Felsenbrücke hindurch. Highlight unseres Kletterstopps ist eine frisch zubereitete Tasse Kaffee mit einem Stück Mohnkuchen aus der deutschen Bäckerei Swakopmunds.

Die anschliessenden 150 Kilometer Gravel Road bis zu unserem Camp Madisa fahren sich gut und kurz vor 17 Uhr erreichen wir unseren bisher besten Stellplatz … aber dazu schreiben wir noch einen eigenen Blog 🙂

Nachdem am nächsten Morgen unsere Zelte wieder unter den Dachplanen versorgt sind rollen wir nach Twyfelfontain (zweifelhafte Quelle … das ist mal ein Name für einen Farmplatz :-)). Ein absolut lohnenswerter Abstecher zum ersten UNESCO Weltkulturerbe Platz Namibias. In den umliegenden Felsen wurden Platten mit Felsgravuren der San entdeckt und können heute auf einer kurzen Wanderung bewundert werden. Ein freundlicher Parkplatz Wächter weisst uns 2 schattige Parkplätze zu, erinnert uns daran genügend Wasser mitzunehmen. Wir wandern das kurze Stück bis zum Besucherzentrum. Das Gebäude ist toll in die Landschaft integriert und aus geschichteten Felsplatten, Teilen von Ölfässern und einem Schilfdach errichtet. Unser Guide ist die kompetente Monalisa, die mit kräftigen, schnellen Schritten unsere Gruppe zu den Felsen führt. Die Gravuren von Löwen, Antilopen, Giraffen und Flusspferden haben heute allerdings Konkurrenz … eine Horde Paviane mit kleinen Äffchennachwuchs lenken uns etwas ab.

… und dann auf der Weiterfahrt zu unserem nächsten Camp in der Kowarib Schlucht erspäht Conny eine Giraffe am Rand der Gravel Road. Wir stoppen und gehen dem Tier langsam entgegen und werden belohnt. Insgesamt 7 unterschiedlich grosse Giraffen können wir minutenlang beobachten. Beziehungsweise beäugen uns die grossen Tiere mindestens genauso interessiert. Das „Leittier“ hat eine schöne dunklere Färbung und überragt alle anderen Giraffen. Die Tiere zupfen frische Blätter von den grünen Bäumen, bewegen sich majestätisch weiter und blicken immer wieder zu uns „Zaungästen“ hinüber.

Die Weiterfahrt fordert uns dann doch etwas … kurzzeitig erreicht das Thermometer Temperaturen von 36°C und der Tankstopp wird zu einer schweisstreibenden Angelegenheit, obwohl ich nur daneben stehe und den Tankwart seinen Job machen lasse. (Im übrigen … ne tolle Sache, nicht selber das Auto mit stinkigem Diesel befüllen zu müssen und die Scheiben geputzt zu bekommen … das ist ein Trinkgeld wert). Wir werden an der Veterinär Grenze zum wiederholten Mal in eine dieser typischen afrikanischen Listen eingetragen, was ab jetzt an jeder grösseren Kreuzung passieren wird. Autonummer, Fahrerlaubnis und woher und wohin … was wohl mit diesen „Daten“ passieren wird?

Durstig erreichen wir das Kowarib Camp und lassen uns an der Bar sehr gerne zu einem kühlen Bier und Coca Cola überreden. Es zischt wunderbar. Aber dann auf einmal Hektik. Ein Angestellter des Camp kommt zu uns gerannt und ruft „Feuer in eurem Jeep“! Wir spurten los und sehen bereits den Qualm aus dem Ladedeck eines unserer Toyotas wabern. Schnell aufschliessen und schon schlagen Sebastian die Flammen entgegen. Einer der Camp Angestellten hat bereits einen Feuerlöscher in der Hand und nebelt den Brandherd entschlossen ein.

Wir haben richtig Glück! Es ist nichts wirklich schlimmes passiert. Irgendetwas hat sich im Bereich der Kochstelle entzündet und wir wollen über die möglichen Folgen garnicht lange Nachdenken (#Gasflasche). Wir rollen erleichtert zu unserem Stellplatz und putzen die vom Löschpulver vollkommen verdreckte Küche. Bereits eine Stunde später sehen wir glücklich und fast wieder tiefenentspannt der Sonne beim untergehen zu.

  • Einschub zur Campsite Kowarib: Cool ist die Beschriftung am Toiletten Häuschen:
  • „Die, die stehen!“
  • „Die, die sitzen!“
  • wo gehste da dann hin … grübelnd 🙂

Mit der Durchfahrt des Veterinärzauns haben wir den „afrikanischen“ Teil Namibias erreicht. Auf unserer Weiterfahrt zum Kunene Fluss passieren wir nun immer wieder kleine Siedlungen der Himba (die Frauen mit nackte Oberkörper und spektakulärer Haarpracht) oder Dörfer der Herero (hier tragen die Frauen bunte Kleider und auf dem Kopf ein Tuch, dass wie ein Gehörn eines Rindes gefaltet ist). Die Kiespiste windet sich kurvenreich durch ein Gebirge und nach der Abfahrt vom Pass erreichen wir die letzte kleinere Stadt in diesem Gebiet … Opuwa.

Und hier bricht Afrika mit voller Wucht über uns herein. Wir werden beim tanken und kaufen von Lebensmitteln belagert und teilweise recht rüde angegangen … aber rüde können wir auch! Nach der Ortsausfahrt liegen noch 180 Kilometer Piste vor uns. Je weiter wir uns von Opuwa entfernen, um so schlechter wird die Piste. Wir hopsen wild auf und nieder, wenn wir überraschend auftauchende alte Wasserläufe durchfahren. Allerdings sind die im Reiseführer als problematisch beschriebenen Furten nur mit wenig Wasser gefüllt und problemlos zu durchfahren.

Spektakulär baut sich vor uns über dem Zebra Gebirge eine riesige Amboss Wolke auf. Da müssen wir nun noch durch. Schlagartig sinkt die Temperatur auf kühle 18°C 🙂 und der Regen peitscht über die Piste. Konzentriert lenken Conny und Thomas unsere Wagen durch den Regen und nach einer halben Stunde reisst die Wolkendecke wieder auf und im goldigen Licht der bereits tief stehenden Sonne erreichen wir die Oase Epupa am Kunene River … das Sehnsuchtziel dieser Reise.

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