Was kommt dir als erstes in den Sinn, wenn du „Nagasaki“ hörst?

Ja, die Geschichte hatte es 1945 mit der Stadt nicht so gut gemeint – dabei gab es einige Zeit davor viele erfreuliche Entwicklungen: z.B. durften sich in Nagasaki die ersten Europäer niederlassen (im restlichen Japan war das unter Todesstrafe verboten, aus Angst vor fremdem Einflüssen, vor allem den christlichen). Zuerst waren es Portugiesen, die die Stadt prägten, später die Niederländer. Das sahen wir auch an der Architektur der Häuschen. Nagasaki ist ein bunter Mix aus verschiedenen Kulturen: im chinesischen Viertel riecht es wie in Peking, im Bereich rund um den Glover Garden sieht es fast schon europäisch aus mit einer Kirche und Bäckerläden, deren fluffige Kuchenstücke an unseren süssen Biskuit erinnern.

Jeden Morgen liegt ein neues riesiges Kreuzfahrtschiff im Hafen und spült Unmengen von Touristen aus aller Welt in die Stadt. Und auch sie kommen vor allem wegen dem Friedenspark und dem Atom-Bomben-Museum. Beides haben wir uns natürlich auch angeschaut.

Der Friedenspark hat uns beeindruckt: trotz der vielen Menschen empfand ich ihn als sehr ruhigen, besinnlichen Ort. Die grosse Statue strahlt Zuversicht aus. Viele Länder haben zu verschiedenen Jahrestagen ebenfalls Skulpturen gestiftet – viele davon empfand ich als zutiefst menschlich und einfühlsam. Ein beliebtes Motiv sind junge Frauen mit Kindern – sie geben Hoffnung und trösten etwas darüber hinweg, welche Schrecken wir Menschen uns gegenseitig antun. Auch die DDR hat damals eine Plastik nach Nagasaki geschickt. Mit der sozialistischen Bildsprache kann ich heute nichts mehr anfangen.


Das Museum ein paar Schritte weiter war für mich sehr schwere Kost. Beim Anblick verbrannter Kleidungsstücke und der ersten Bilder von toten Kindern kamen mir die Tränen. Obwohl ich ähnliches bereits in Hiroshima gesehen habe, berührten mich die Ausstellung mit all ihren Exponaten, Bildtafeln und Videos sehr. Ich weiss, dass Wegschauen Leid und Elend nicht ungeschehen machen, aber ich habe nicht alles aushalten können. Die Gedanken beschäftigten mich noch den ganzen Tag.

Falls du einmal hier sein solltest empfehle ich, zuerst in das Museum zu gehen und danach in den Friedenspark und anschliessend die Stadt zu erkunden: die Menschen von Nagasaki haben sich trotz allem eine Zukunft aufgebaut und leben in einer bunten Stadt!

Anmerkung von Jörg: Ich LIEBE die nostalgischen Strassenbahnen 🫠

