Obama war noch nicht hier …

… aber wir, sitzen mit den Füssen im warmen Wasser und schauen in das Ostchinesische Meer.

Heute am Morgen sind wir mit unserem knuffigen Suzuki aus Nagasaki heraus gefahren und hofften auf eine „romantische“ Fahrt der Küste Kyushus entlang. Die Wirklichkeit war dann allerdings etwas ernüchternd. Links und rechts der Strasse ziehen Einkaufszentren, „seven to eleven“ Läden, kleine und grössere Plattenbauten und Industriebetriebe an unseren Fenstern vorbei. Bei einer Geschwindigkeitsregulierung auf meist 40, maximal ein paar Meter 50 km/h haben wir zur Genüge Zeit, die graue Pracht zu geniessen. Das Meer und der mächtige Vulkan Unzen sind immer nur für kurze Augenblicke sichtbar.

Nach viel Stadttourismus zieht es uns in die Natur: Berge und Meer klingen nach einer wunderbaren Kombination. All das soll die Halbinsel Unzen bieten. Aber der Start ist wie beschrieben eher trist. Kurz vor unserem ersten Etappenziel lichtet sich das Siedlungsgebiet und wir rollen immer noch so langsam einen begrünten Hügel nach oben und dann mit nur noch 30 km/h der Küste und dem Örtchen Obama entgegen.

Hauptattraktion des Ortes ist ein öffentliches Fussbad unmittelbar am Meer. Zum ersten Mal sehen wir, wie stark es im Untergrund von Kyushu brodelt. An mehreren Stellen im Ort steigt weisser, heisser Wasserdampf auf und selbst aus den Gullideckeln dampft und faucht es. Das Fussbad ist zu recht gut frequentiert. Schnell sind unsere Stiefel abgestreift und die Hosenbeine hochgekrempelt. Und dann geniessen wir das warme Wasser an unseren Beinen und die Seeluft im Gesicht. Natürlich sind wir an einem Feiertag an einem solchen Ort nicht allein, aber der lange Wasserlauf bietet Platz für alle.

Hinter uns sind andere Besucher damit beschäftigt, ihr Essen im heissen Wasserdampf aufzuwärmen. An mehreren Stellen kann man in Bottichen seine Speisen mit geothermischem Dampf garen – inklusive Bottiche, die bereits voller Onsen Eier sind. Die Bewohner des Ortes sind witzig und kommunikativ: so werden kleine Handtücher mit „we love Obama“ Aufdrucken zum Trocknen der Füsse verkauft und Conny und ich dürfen an einer Befragung von Touristen mitmachen. eine ältere Dame hält uns ein Klemmbrett hin und statt aufs Meer zu blicken füllen wir einen Fragebogen aus. Zur Belohnung gibt es danach allerdings eine kurze Ortsgeschichte für uns, inklusive laminierter Fotos mit alten Ansichten.

Mit warmen Füssen tuckern wir anschliessend wieder mit rasanten 40 km/h dem Unzen Vulkan entgegen. Endlich fahren wir durch herbstliche Wälder und sehen bereits in der Ferne Wasserdampf Wolken aufsteigen. Die Landschaft erinnert uns an die Mittelgebirge in Deutschland. Es ist eine lieblich anzusehende Gegend mit sanft gewölbten Hügeln und viel Wald. Hinter einer Kurve wandelt es sich aber plötzlich von „romantisch“ zu „höllisch“. Direkt vor uns liegt ein geothermisches Gebiet mit kahlen Fels und brodelnden Schlammlöchern. Überall quillt heisser Wasserdampf aus Erdritzen und ein Hauch von Schwefel liegt in der Luft.

Zurück in Nagasaki hat uns die japanische Grossstadtluft wieder.

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