Sollen wir, oder sollen wir nicht. Unschlüssig stehen wir vor dem Beginn der Gravel Road (Sandpiste) in Ausserkehr. Unterhalb der Strasse fliesst der Oranje River, recht mächtig angeschwollen in seinem Flussbett dem Atlantik entgegen und unser Plan war es, dem Fluss 90 Kilometer zu folgen. Wäre da nicht dieses blöde Schild, was quer über der Straase aufgestellt wurde und in Gelb-Schwarz uns „Road closed“ (Strasse gesperrt) entgegen schreit.

Wir sind heute wirklich früh von der Campsite des Canyon River Roadhouse gestartet, da wir 500 Kilometer bis zu unserem Tagesziel Lüderitz zu fahren haben. Wir folgen einer einsamen Gravel Road dem Fish River Canyon entlang und bewundern mehrere Zebra Herden die goldig schimmernd in der Morgensonne stehen. Bis auf wenige Meter lassen uns die scheuen Tiere an sich heran, bevor sie in die Gras bedeckte Wüste davon galoppieren. 160 Kilometer sind wir vollkommen allein auf der Kiespiste unterwegs, bis uns ein südafrikanischer Jeep entgegen kommt und wir ein kurzes „Schwätzchen“ halten.

Die Südafrikaner fragen uns, ob auch wir am Oranje river entlang fahren wollen … was wir bejahen. Die Strasse sei gesperrt sagen uns die beiden und sie wären auf dem Weg wieder zurück. 160 Kilometer zurück fahren oder 15 Kilometer weiter bis zur Kreuzung in Ausserkehr. Wir entscheiden uns fürs Risiko und stehen nun vor diesem „blöden“ Schild. In den letzten Wochen hat es in Namibia mächtig geregnet und liess den Grenzfluss zwischen Namibia und Südafrika ordentlich anschwellen. Wir hörten schon, dass aktuell Flüsse über ihre Ufer getreten waren und dabei Strassen und Furten beschädigten. Aber das war vor 2 Wochen. Und wir haben doch zwei leistungsstarke Jeeps und unsere Mosambik Erfahrungen :-).

Also: Sollen wir, oder sollen wir nicht? Vielleicht können wir ja jemanden fragen … aber ob die die beiden Radfahrer mit Feuerholz auf dem Gepäckträger die uns entgegen kommen den Zustand der Strasse richtig beurteilen können (unsere Mosambik Erfahrungen :-))? Somit rollen wir erst einmal in die entgegen gesetzte Richtung hinein nach Aussenkehr. Durch riessigen Wein Plantagen hindurch fahren wir dem Flussufer entgegen und auf den Parkplatz einer sehr gepflegten Lodge. Ein äusserst zuvorkommende ältere Dame an der Rezeption freut sich uns zu sehen. Hält sie uns doch für potentielle neue Übernachtungsgäste (die Tourismus Branche in Namibia hat die letzten beiden Jahre sehr gelitten).

Wir beichten, dass wir nur eine Frage zum Strassenzustand haben und gern bei unserer nächsten Reise nach Namibia unbedingt hier übernachten wollen. Die Dame beantwortet unsere Frage zum Strassenzustand positiv … mit unseren Allrad Jeeps sollte es kein Problem sein, die Uferstrasse abzufahren und die schlimm weggespülten Abschnitte würden bestimmt schon wieder ausreichend gut präpariert sein. Ein wenig Sand …. aber kein Problem – sagt sie! Also stapfen wir zu unseren parkenden Autos zurück und bewundern die Granatapfel Büsche am Wegrand. Während wir den Druck von den Reifen unserer Jeeps lassen (wir haben echt was gelernt und profitieren jetzt von unseren Erfahrungen) füllt die nette Dame, die Besitzerin der Lodge, uns eine grosse Tasche mit Granatäpfeln, die sie frisch vom Busch pflückt.

Wir fahren zurück zur Absperrung der Strasse und rollen langsam am „road closed“ Schild vorbei. Auch bei „normalen“ Verhältnissen scheint die Strasse nicht ohne zu sein. Zumindest stehen alle 10 Kilometer grosse Tafeln die auf eine gefährliche Strasse hinweisen und Tipps zur angepassten Fahrweise geben.

Es lohnte sich, hartnäckig zu bleiben, da a) die Sandpiste gut zu passieren war, b) die Strassenbaukolonen bereits alle beschädigten Stellen ausgebessert hatten und c) die Landschaft grandios ist. Links und rechts des Ufers steigen Felsformationen an. Das Umland ist eine trockene, tote Wüste … aber das unmittelbare Flussufer ist wunderschön grün. Die schönste Stelle ist der Punkt, an dem der Fish River in den Oranje River mündet. Gestern Abend haben wir noch an der tiefen Fish River Canyon Schlucht gestanden und der Sonne beim Untergehen zugesehen. War ein spektakuläres, farbenfrohes Ereignis.

Und jetzt rollen wir durch eine befestigte Furt über den Fish River und der Bergbau „Stadt“ Rosh Pinar entgegen. Dann geht es am Diamanten Sperrgebiet entlang in die Namib Wüste und am späten Nachmittag werden wir Lüderitz und somit den Atlantik erreichen.

… und sonst noch:

  • haben wir Cheetas (Geparden) gefüttert
  • einen Nachtfotoworkshop im Köcherbaumwald durchgeführt (Resultate folgen später :-))
  • uns ans Camper-Leben gewöhnt
  • und … wir sind alle recht positiv 🙂 … mit milden Verläufen
… schön, dass Du bis hier gelesen hast 🙂 ein erstes Bild aus dem Köcherbaumwald.

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