Addis Abeba

Für „neue Blume“ steht Addis Abeba in der amharischen Sprache … schreibt der Reiseführer. Eine Blume duftet und leuchtet. Beides findet man in Addis Abeba aber nicht sofort und auffällig. 

Den ersten Eindruck der Stadt bekommen wir sofort nach dem wir vom Parkplatz des Flughafens fahren. Alles hupt laut im chaotischen Morgenverkehr, es liegt eine Staubglocke über der 4-Millionen Metropole und stinkt im günstigsten Fall nach Abgasen. Aber wir sind, wie von uns gewünscht mittendrin in Afrika. Unser begleitende Fahrer, Alazar, lenkt den Minibus mit uns 4 Insassen gekonnt durch die von allen Seiten kommenden Fahrzeuge und Fussgänger. Die kurvige Bergstrasse hinauf zur Sankt Georg Kirche teilen wir uns mit beladenen Eseln und Frauen, die Eukaluptus-Holzbündel in Überbreite die Strasse hinab schleppen. Von knapp 3000m Höhe blicken wir auf die noch gar nicht so alte Stadt und wundern uns über den kaiserlichen Palast von Menelik. Der um 1900 errichtete Bau gleicht eher einem grosszügigen Bauernhaus bei uns. Keine gigantische Grösse oder übermässig prunkvoll … schlicht und dem beginnendem Verfall bereits preisgegeben. 


Muss man das äthiopische Nationalmuseum besuchen? Die meisten der wenigen touristischen Besucher in der Stadt beantworten dies mit einem „Ja!“ … und umrunden mit ihren Tourguides wie wir „Lucy“. Um die Dame vor seinem geisigen Auge auferstehen zu lassen,  benötigt es einiges an Phantasie. Von Lucy liegen hinter dicken Scheiben ein Teil der Hüfte, Rippenknochen, ein Unterkiefer und noch ein paar Knöchel. Aber die haben es in sich. Aus diesen, in den siebziegern des letzten Jahrhunderts entdeckten Fragmenten gelang es den Forschern a) diese einer Person zuzuorden b) zu bestimmen das dieses weibliche Wesen vor über 3 Millionen Jahren in einem Sumpf versank und c) somit die ältesten „Beweisstücke dafür sind, dass die Wiege der Menschheit auf dem Gebiet Äthiopiens sich befindet … denn Lucy ging aufrecht. Mit ihren 1.05 m ist sie für unsere Verhältnisse ein recht kleines Menschlein gewesen.

Lohnenswert ist der Besuch des sich unmittelbar neben dem Museum befindlichen Restaurants „Lucy“ auf jeden Fall. Wir wissen nun, wie wir mit fünf Fingern das weisse oder rote Injera inklusive sauciger Beilagen zum Mund führen. Etwas Übung brauchen wir aber noch, um damit Tisch und uns selbst sauber zu halten ☺️. Injera ist das äthiopische Brot. Ein grosser, grobporiger, weicher Fladen, der ein wenig an Sauerteig Brot erinnert, dient als Unterlage für verschiedene Saucen und wird von allen am Tisch Sitzenden abgerupft und verschwindet dann in den Mündern. Es war scharf, extrem sättigend, lecker und ein Spass zu essen. Den abschliessenden Kaffee bekamen wir dann frisch über einem Holzkohle Grill geröstet in einem kleinsten Laden in einer Seitenstrasse serviert. Der Duft von frisch gerösteten Bohnen wurde ergänzt mit vor sich hin glimmenden und räuchelnder Myrrhe und Weihrauch. Addis Abeba duftet also neu für uns!


Bleibt das farbenfrohe Leuchten. Das durften wir beim Besuch des Waisenhauses der Abebech Gobena erleben. Diese bemerkenswerte Frau hat vor 40 Jahren begonnen Kinder bei sich aufzunehmen und ihnen eine Perspektive zu geben. Für die Kinder bedeutet dies einen freundlich eingerichteten Ort zum Bleiben, Essen und medizinischer Versorgung, Bildung und somit hoffentlich eine Zukunft zu haben. 

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