Von Burgdorf nach Greyerz / Gruyeres

Wuchtig. Vielleicht auch behäbig. Alt und traditionell. Das beschreibt die beiden besuchten Städte recht gut. Unsere heutige Route führte uns vom Napf hinab in den Kanton Bern und dann weiter, über die unsichtbare Sprachgrenze, auch Röstigraben genannt 🙂 in den Kanton Freiburg / Fribourg. Da wir der Autobahn die Landstrasse vorziehen, kommen wir zwar etwas langsamer voran … machen dafür aber Entdeckungen. Bisher kannten wir Burgdorf nur von den Abfahrtsschildern auf der Autobahn nach Bern. Besucht haben wir diese altehrwürdige Stadt bisher nicht.

Das Schloss trohnt über der Altstadt

Die Stadt wirkt auf der Einfallsstrasse noch unscheinbar, beliebig. Aber eine Kurve weiter stehen wir vor einem spektakulären Panorama. Von der Mittagssonne schön ausgeleuchtet erhebt sich das Schloss, die Burg vor uns. Die Emme windet sich zwischen dem Burgberg und recht schroff aufragenden Felswänden malerisch hindurch. Ein ausreichender Grund für einen ungeplanten Stop und einen Stadtbummel.

Zuerst wandern wir durch die verschlafen wirkende Altstadt. Wie Bern, nur etwas kleiner. Die Steinhäuser sind alt und mit einem wuchtigen Dach gekrönt. Sollte es regnen kann man trockenen Fuss durch weite Teile der Altstadt kommen, da bei den meisten Häusern Lauben / Arkaden Fussgänger vor Regen schützen oder uns heute Schatten spenden.

Der Aufstieg zum Schloss bleibt uns verwehrt, da gerade Sanierungsarbeiten ausgeführt werden. So umrunden wir den Berg und geniessen die Aussicht in schöne Gärten und zur Emme hinab.

4 Jahre lebte und wirkte der Schweizer Pädagoge Pestalozzi in Burgdorf – wissen wir, weil wir gerade die Emme entlang spazieren und Hinweistafeln uns darüber aufklären. Über eine alte Steinbrücke queren wir den Fluss, beobachten Badende am Kieselstrand und steigen dann einen schmalen Weg die Flüe hinauf. Davon gibt es vier und gemeint sind damit die vier Felswände, welche die Emme so idyllisch einrahmen. Ein leicht abenteuerlicher Weg führt am Rand der Felswände entlang bis zur vierten Fluh und bietet einen grandiosen Ausblick auf das Schloss, die Stadt und das hüglige Emmental.

uns gefiel die Wanderweg Markierung 🙂

An Bern und Freiburg fahren wir vorbei, da wir uns rechtzeitig einen schönen Stellplatz für unsere Wohnmobile in Greyerz sichern wollen. Das Wetter ist toll, die Sonne wärmt und von der Strasse sehen wir kurz vor Greyerz auf einen von hohen Bergen umrahmten See hinab. Über eine schmale Strasse fahren wir dem Greyerzer See und hoffentlich einem Stellplatz mit Seeanstoss entgegen. Anders als in der Zentralschweiz ist der Stellplatz offen, aber bereits über das Maximum von Wind- und Kitesurfern mit ihren Bullis belegt. Idyllisches Corona Campen ist hier definitiv nicht möglich. Der zweitbeste Platz ist ein grösserer, ebener Parkplatz neben einer Wallfahrtskirche etwas oberhalb der Greyerzer Altstadt. Pluspunkte: wir stehen die Nacht allein hier und haben einen schönen Blick auf die Stadt.

Ausblick am frühen Abend …
… und in der Nacht.

Neben der Wallfahrtskirche lud ein kleines Restaurant dazu ein, einmal nicht im Camper zu kochen, sondern chic Essen zu gehen. Wir lieben Greyerzer, also den sehr schmackhaften Käse der Region … für uns unbestritten neben einem reifen Cheddar der beste Käse der Welt😇. Allerdings war das bestellte Käsefondue eine echte Enttäuschung. Sollte jemand eine Restaurant Empfehlung für Greyerz haben, gern unten kommentieren, da wir die Stadt garantiert nochmals besuchen werden.

Es war noch sehr früh am Morgen 😉
Morgenroutine 👍

Am Morgen dreht ein Streifenwagen der Polizei eine Runde über unseren Parkplatz. Da wir uns aber noch nicht häuslich zum Frühstück eingerichtet haben bleiben wir „unbelästigt“. Nachdem die Polizei verschwunden ist, packen wir unsere Camping Garnitur aus und „zmörgelen“ nach dem enttäuschenden Abendessen ausführlich.

Ich habe gelernt, dass man die „Reichweite“ seines Blogs mit folgenden Tipps steigern kann: Beginne mit einer Frage, generiere einen Mehrwert für den Leser, viele Bilder … somit jetzt der optimierte zweite Teil des Blogs zu Greyerz 😉.

Warum solltest Du Greyerz besuchen? Ich nenne Dir 3 Dinge, die Dich davon überzeugen werden.

  • Die Stadt ist so pittoresk und vollkommen zu Recht eine der meist besuchten Schweizer Orte
  • Die Altstadt beherbergt die Sammlung des Schweizer Künstlers HR Giger … und den muss man kennen
  • Alle lieben Schokolade, Du auch … und Greyerz ist das Schokoladen Mekka (ganz genau formuliert, der Nachbarort Broc)

Wir wandern der Stadt entgegen, folgen einem kleinen Fluss, queren diesen über einer wuchtigen, mit kleinen Holzschindeln eingedeckte Holzbrücke und betreten unterhalb des Schlosses die Stadt … und sind fast allein in den Gassen und auf dem Hauptplatz unterwegs. Die Speisekarten der Altstadt Restaurants laden auf Russisch und Chinesisch die potentiellen, jetzt ausgebliebenen Gäste in die Lokale. Wir geniessen die Ruhe in der Stadt und wandern den Hauptplatz entlang dem Schloss und dem Giger Museum entgegen.

Die Bloggenden 😉

Leider werden wir etwas enttäuscht. Obwohl es nach den neusten Bundesrätlichen Verfügungen möglich wäre (siehe Sempacher Vogelwarte), sind sowohl das Museum, wie auch das angrenzende Giger Cafe noch geschlossen. Solltest du Dich noch fragen, wer dieser HR Giger eigentlich ist … die nachfolgenden Bilder beantworten das garantiert. Nicht gruseln …

Reflexionen im Schaufenster des Giger Cafes …
Welche Film Serie?

Aber wir haben ja noch einen Punkt auf der Agenda und der Tag ist noch jung. Wir verzichten auf ein Mittagessen in einem der touristischen Altstadt Restaurants und steigen den Burgberg wieder hinunter zu unseren Campern.

Wir mögen die Bücher von Roald Dahl sehr. Das tollste ist, dass er sowohl Literatur (Romane und vor allem tolle Kurzgeschichten) für Erwachsene schrieb, wie auch grossartige Kinderbücher. So war es immer eine „Win-Win“ Situation, wenn wir unserer Tochter vor dem Einschlafen aus einem der Kinderbücher von Roald Dahl vorlesen konnten … Favorit war die Geschichte von „Charlie in der Schokoladenfabrik“ … und wir fühlen uns gerade wie der kleine Charlie, der das goldene Ticket für den Besuch in der Schokoladenfabrik von Willy Wonka gewonnen hatte. Unser Willy Wonka heisst allerdings Cailler aber das Fabrikgebäude sieht genauso wunderschön aus, wie in der Geschichte Dahls 🙂.

Wieder Vorteil „Corona Ferien“ … wir haben die tolle „Verkaufsshow“ in der Schokoladen Erlebniswelt quasi für uns allein. Viel Platz und Schokolade über Schokolade zum probieren.

Hier finden sonst (Konjunktiv Ferien 🙂) Schokoladen Workshops statt …

Zuerst bekommen wir die Geschichte der Kakao Frucht multimedial mit Blitz, Donner und Gotterzank erläutert, folgen der Frucht auf ihrem Weg über den Atlantik nach Europa, erfahren, dass französische Liebhaber auf die aphrodisierende Wirkung des Kakaos schwören,was die Kirche gegen diese sündhafte Frucht aufbrachte. Dann kommt es um 1819 im idyllischen Greyezer Land zu der genialen Verschmelzung von Milch und Kakao und wir dürfen Milchschokolade geniessen. Mit der jahrelangen Erfahrung aus zahlreichen, internationalen Schokolade Verkostungen können wir ganz klar das Fazit ziehen: Cailler Schokolade ist für uns die beste Schokolade der Welt!!!!

Nachdem wir in einem der Showräume die globalen Produzenten der Rohstoffe einer Tafel Schokolade kennen gelernt haben und den Nachhaltigkeitsversprechen von Nestle glauben wollen (oder auch nicht) geht es zu einer kleinen Fertigungsstrasse einer der grossartigen Schokoprodukte … wir können die Herstellung von Mini Branche verfolgen. Am Ende des Bandes liegen dann für uns Besucher Mini Schoko Branches für einen Test parat.

Die nächste Station war nicht weniger beeindruckend. Zuerst durften wir uns ein kleines Täfelchen Schokolade nehmen und dann geführt durch einen Audio Guide mit all unseren Sinnen die Schokolade erleben … eine Zen-Übung:

  • Zuerst auspacken und mit den Augen betrachten … gute Schokolade muss glänzen
  • Fühlen … eine schöne glatte Oberfläche soll die Schokolade haben
  • Riechen … Schokolade verströmt viele Aromen
  • Dann hören … Schokolade muss beim Abbeissen knacken
  • und dann endlich in den Mund damit … aber noch nicht gleich verschlucken, erst langsam auf der Zunge zergehen lassen und schmecken

Im angrenzenden Raum gibt es dann einen recht grossen Teller zum Degustieren der verschiedenen Schokoladen Erzeugnisse von Callier. Pralinen, bittere dunkle Schokolade, luftige Schokolade, mit Nüssen … paradiesisch, wenn man Schoggi mag, und wer tut das nicht. Selbstverständlich schliesst die Ausstellung mit einem Fabrikverkauf, aber das wäre ja fast enttäuschend gewesen, wenn wir nicht mehrere Kilo beste Schokolade frisch ab Quelle hätten kaufen können.

Glücklich und schokoladensatt ging es dann noch in den Kanton Neuenburg / Neuchatel … aber das wird der nächste Blog.

PS: Für Martin … hier noch der Salat on Tour … bewacht durch Jule!

Teilen ist toll!!!

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