Ein Moment, ein Mal!
Unser Leser weiss, dieser Blog enthält keine klassischen Top 10 von Dingen die man sehen, essen, trinken oder kaufen muss. Wir wollen darüber schreiben, was das Reisen mit uns macht. Danke dass Du mit uns unterwegs bist.
Über „Ichi-go ichi-e“ haben wir in einem Achtsamkeit-Reisebuch gelesen, welches uns inspiriert hat, wieder nach Japan zu reisen. Bereits 2017 haben wir dieses Land besucht und waren total überwältigt. Wenn wir gefragt wurden, welches unserer inzwischen zahlreich besuchten Länder wir immer wieder bereisen würden, dann waren Conny und ich immer einig: Japan.

Also sind wir mit sehr positiven Erwartungen, leicht übermüdet am Flughafen Narita angekommen und gespannt in die 4 Wochen Japan-Rundreise „Der Süden“ gestartet. Kaum aus dem Flieger ausgestiegen fängt es allerdings an: Wie sah das vor 8 Jahren hier aus? Sind wir diesen Gang schon damals entlang gegangen? Ja! Und die Einreiseformalitäten sind wie damals. Das ein Einreiseformular ausgefüllt werden musste, war uns noch klar. Aber das wir ein weiteres klitzekleines Blättchen mit unseren Zollinformationen ebenfalls ausfüllen und abgeben müssen, ging bereits schon wieder vergessen.
Vom Ankunftsschalter geht es auf einem kurzen Weg zum Zug nach Tokio. DerAutomat begrüsst uns mit den für uns immer noch kryptischen japanischen Schriftzeichen, lässt sich aber sehr schnell davon überzeugen mit uns auf Englisch zu kommunizieren. Während wir uns noch etwas orientieren, welches Ticket das für uns passende wäre, tritt auch schon ein freundlicher, älterer Herr auf uns zu und bietet auf Englisch an zu helfen. Der uniformierte Angestellte tippt schnell auf die richtigen Felder, zeigt auf den richtigen Schlitz für die Kreditkarte und innert kürzester Zeit sitzen wir im Narita Express zum Tokioter Hauptbahnhof. Da ist sie, die japanische Effizienz und Freundlichkeit, die wir auf unserer letzten Reise sehr zu schätzen gelernt hatten.
Wie zuvor haben wir am Bahnhof Tokio wieder die gleichen Gedanken. Hier waren wir doch schon, oder? Waren damals auch schon so viele Menschen hier? Haben wir dort nicht einen Kaffee getrunken? Bestimmte Dinge kommen einem sofort wieder bekannt vor, anderes ganz neu. Wie funktioniert das mit dem QR Code zum Zutritt in den inneren Bereich des Bahnhofes? Es gelingt uns nicht sofort uns richtig zu orientieren. Die erste Barriere öffnet sich nicht. Aber sofort weisst uns jemand darauf hin, dass dies der Zugang zur Metro ist und sich die Eingänge zum Shinkansen auf der anderen Seite befinden.
Alles ist recht hektisch hier auf dem Tokioter Hauptbahnhof. Unheimlich viele Menschen bewegen sich in alle Himmelsrichtungen. Gefühlt stehen wir mit unseren Rucksäcken immer im Weg und wissen nicht mehr, ob wir nun auf der rechten oder linken Seite zu laufen haben.

Die nächste Erinnerung taucht auf: die grossen Bahnhöfe in Japan sind immer Shopping Paradiese. Überall in den Unterführungen sind Läden, Restaurants und Cafés dicht an dicht. An einem der Läden versorgen wir uns mit unserer ersten Bento Box: Verpflegung für die lange Zugfahrt (2 1/2 Stunden ;-)) nach Osaka. Und da ist er wieder, der Zauber der Erinnerung. Wie damals, beim ersten Mal. Und genauso geht es weiter: Der Shinkansen Nozomi steht pünktlich zur Abfahrt am Gleis parat. Eine Putzkolonne reinigt den Zug und dreht alle Sitze in Fahrtrichtung. Dann öffnen sich die Absperrtore zum Zug und geordnet in Reihe besteigen wir an genau der richtigen Stelle unseren Waggon und erreichen unkompliziert unseren reservierten Sitzplatz. Auf die Sekunde genau schwebt der Zug aus dem Bahnhof und der Zugbegleiter schaut mit exakt der gleichen Körperhaltung so lange aus dem Fenster, bis wir den Bahnhof verlassen haben. Alles genauso wie damals. Und fast schon wieder vertraut. Der Zauber des ersten Mal ist ein wenig verflogen …

Obwohl! Damals verbeugte sich der Zugbegleiter noch exakter und tiefer, wenn er unseren Waggon betrat oder wieder verliess. Wir rasen mit 300 Stundenkilometer am nicht zu sehenden Fuji vorbei. Japan ist momentan verregnet und die Wolken hängen tief. Nach exakt 2 Stunden und 30 Minuten erreichen wir pünktlichst Osaka und ab jetzt ist alles wieder zum ersten Mal :-)!!!
Waren in Tokio schon viele Menschen um die Mittagsstunde herum unterwegs, erleben wir in den frühen Abendstunden in Osaka echten Dichtestress. Unsere U-Bahn ist voll, wirklich richtig voll und trotzdem gelingt es den Passagieren aus- und zuzusteigen. Du hast bestimmt diese Bilder einer stopfend vollen Bahn schon einmal gesehen – genauso ist es und unter Platzangst solltest Du nicht leiden. Die Orientierung in der riesigen Namba Station fällt uns schwer, es geht von einer Shopping Ebene zur nächsten, aber ein Ausgang ins Freie um sich zu orientieren, lässt sich nicht einfach finden.

Natürlich erreichen wir irgendwann unser Hotel, taumeln förmlich erschöpft von über 24 Stunden unterwegs sein in unser Zimmer und geniessen kurz vor dem Einschlafen den überwältigen Blick auf das im Abendlicht funkelnde Osaka. Die Rezeptionistin hat es sehr gut mit uns gemeint und uns ein Upgrade auf ein Zimmer im 29. Stock mit bodentiefen Fenstern und dem Blick auf das Stadtviertel Namba spendiert. Dankeschön!


Unsere ersten beiden vollen Tage in Japan und Osaka nutzen wir, um die für uns neue Stadt kennenzulernen. Es ist immer gut sich einen Überblick zu verschaffen und der Umeda Sky Tower ist optimal dafür. Eine rasante Fahrstuhlfahrt in einem verglasten Lift mit Blick nach draussen bringt uns bereits 35 Stockwerke über den Erdboden. Die nächsten 5 Stockwerke erklimmt man mit einer ebenfalls voll verglasten Rolltreppe, die quer und freitragend zwischen zwei Hochhaustürmen gespannt ist. Der Sky Tower ist architektonisch ambivalent. Aus der Ferne wirkte er hässlich und irgendwie unfertig. Jetzt wo wir im Turm unterwegs sind mutet das Gebäude eher wie eine Raumstation an. Zwei hohe Türme sind im obersten Geschoss mit einer Brücke verbunden, auf welcher man einen wirklich spektakulären Blick auf Osaka, das Meer und die Berge im Hinterland geniessen kann
.

Im Stadtviertel Umeda reiht sich Kaufhaus an Kaufhaus. Wahre Giganten mit Verkaufsflächen auf über 10 Stockwerken. Im 11. Stockwerk, ganz oben findet sich neben einem schön angelegten Gemüsedachgarten auch der Bereich mit unzähligen Restaurants. Und da ist wieder so ein „weisst Du noch, waren wir nicht damals …- Moment“. Haben wir nicht hier bereits vor 8 Jahren in dem kleinen Lokal gesessen, als wir einen kurzen Zwischenhalt in Osaka machten? Wir erinnern uns nicht mehr wirklich und schaffen lieber neue Erlebnisse. Wir setzen uns brav auf die vor einem Tempura Restaurant aufgestellten Stühle und warten, dass wir hinein gebeten werden. Im Restaurant sitzen wir in einem schmalen Gang an der Bar und die beiden Köche auf der anderen Seite legen uns alle 5 Minuten frisch frittierten Fisch und Gemüse auf einen Teller.

Der Sonnenuntergang im Park der Osaka Burg ist spektakulär, aber uns bleibt wahrscheinlich ein anderer Moment in Erinnerung. Eine ältere Dame rollt mit einem voll beladenen Fahrrad an uns vorbei und klingelt ganz kurz unmittelbar vor uns. Sofort kommt aus einem der Gebüsche am Burggraben ein stattlicher schwarzer Kater heraus gelaufen. Geduldig wartet das seidig glänzende Tier, während die Dame in einem Plastikschälchen das Abendessen für den Kater serviert. Absolut nicht wählerisch, wie es unser Kater wäre, futtert das Tier zügig den Napf leer. Wieder ein solcher Moment, wie damals in Kyoto am Philosophen-Weg …

Gefühlt ist Osaka eine Stadt, die man am Abend erleben muss. Wir treiben mit den vielen anderen Menschen durch die überdachten Passagen im Stadtviertel Namba. Natürlich machen wir am Dotonbori Kanal ein Selfi vor dem ikonischen Glico Läufer, einer Leuchtreklame aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts (wie Alt das klingt :-)). Wir essen die überall angebotenen Bällchen mit Tintenfisch Füllung und geniessen am zweiten Abend in einem kleinen Lokal, wieder bei den Köchen am Tresen sitzend, kleine, frisch gegrillte Spiesschen mit Fleisch und Pilzen.

Einen schönen Abschluss unserer Zeit in Osaka bietet ein abendlicher Spaziergang durch den mit Lichtkunst beleuchteten botanischen Garten. Wir spazieren zwischen verschiedenen Lichtinstallationen bei sphärischer Musik durch den Park und sind plötzlich sehr weit weg vom trubeligen Namba Viertel mit seinen hellen Leuchtreklamen, den Lokalen und Essständen, Spielhallen und so vielen lauten Menschen entfernt – endlich angekommen … im achtsamen Reisemodus!
bin ich nicht auch schon dort gesessen? War es 2018, 2023, 2025 oder vielleicht auch schon 1983?
Egal, es ist immer wieder faszinierend!
LikeGefällt 1 Person
Wundervoll geschrieben. Ich wünschte, ich könnte dabei sein. Viel Spaß, viele neue und tolle Eindrücke und gerne auch viele weitere Berichte.
LG Martin
LikeGefällt 1 Person