Wilde Tiere

5 Uhr morgens: Das Handy summte vor sich hin, Zeit zum Aufstehen. Denn um 5.50 Uhr hatten wir uns mit Diddie verabredet, um Meerkatzen in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten. (Wir haben den Unterschied zwischen Surricat, Erdmännchen und Meerkatzen nicht herausgefunden – wahrscheinlich alles verschiedene Namen für die gleichen Tiere). Mit uns kamen noch etwa 15 weitere Interessierte, darunter Kinder, die sich unter klarem Sternenhimmel an einer Kreuzung mitten im Nichts trafen. Endlich kam auch Diddie und wir fuhren noch knapp 10 km ins Land. Dort bekamen alle erst mal einen Kaffee (sehr gute Idee!) und anschliessend einen Klappstuhl. Etwas wunderlich war das Ganze schon: sollten wir uns nun in Reih und Glied „Hinsetzen“ und die Parade der Meerkatzen abwarten?

Nach einem kurzen Fussmarsch stellten wir die Stühle tatsächlich nebeneinander auf, die aufgehende Sonne im Rücken, den Schlaf noch in den Augen und mit Kameras bewaffnet. Diddie erklärte uns, was wir in den nächsten Minuten zu erwarten hatten: Eine Meerkatzenfamilie, die offenbar gerade noch unter uns schlief (wie gut die es da hatte :0) ), würde mit den ersten Sonnenstrahlen auf die kleinen Hügel klettern und sich das Köpfchen wärmen, sich recken und strecken, dann einwenig herumtollen und dann zum Frühstück aufbrechen. Und, was soll ich erzählen? Genau so war’s!

Diddie kannte diese Meerkatzenfamilie so gut, dass er ihnen allen einen Namen gegeben hatte. Als ein ausgewachsenes Exemplar etwa 2 m vor uns stand, hielten alle (Menschen) den Atem an. Keiner wollte Schuld sein, wenn es sich wieder verkroch und vielleicht die anderen warnte vor uns. Aber dann zeigte sich eins nach dem anderen, und als Mona, die Mama der Familie in die Sonne blinzelte, durften auch die Jungspunde aus der Schlafhöhle. Eine Meerkatzenfamilie besteht aus 12-17 Tieren, und wenn ausgewachsene Tiere nicht freiwillig ihre Familie verlassen, werden sie vertrieben und müssen sich ein neues Revier suchen.

Es war einfach niedlich und sehr interessant, den kleinen Kerlchen bei ihren morgendlichen Ritualen zuzusehen, und mit der Zeit hatten sie sich an unsere Anwesenheit gewöhnt: sie schreckten einmal hoch, als „ein grosser Vogel, der komische Geräusche machte“ (Flugzeug), über uns flog, aber ansonsten liessen sie sich nicht gross stören. Beinahe alles, was die Tierchen tun, machen sie synchron: in eine Richtung schauen, Gähnen, einfach dastehen. So putzig! Am liebsten hätten wir sie gestreichelt und vielleicht auch eins mit nach Hause genommen.

Aber Diddie, der Biologe, riet uns dringend davon ab: es sind wilde Tiere und nicht fürs Domestizieren geeignet. Er hatte eine verstossene, kleine Meerkatze zu Hause grossgezogen, und sie dann wieder ausgewildert. Es war aber sehr schwierig mit ihr im Haus: überall hat sie ihr Geschäftchen gemacht und nachts hat sie wie wild gescharrt. Ausserdem ist es streng verboten, Meerkatzen aus Südafrika auszuführen.

Es hatte sich auf jeden Fall gelohnt, so früh aufzustehen! Nach ca. 3 Stunden, einem kurzen Ringkampf „Jeder gegen Jeden“ pfiff Mama Mona zum Frühstück und der ganze Trupp verschwand mit einem kleinen Bogen um uns herum in der Savanne.

In der Lodge warteten Wolfgang und Dagmar und ein paar andere Gäste auf unsere Rückkehr und wir konnten (nicht ohne ein wenig Stolz) unsere Bildausbeute zeigen. Kein anderer wollte morgens aufstehen …

Nach einem gemütlichen Frühstück auf der Terrasse machten wir uns daran, uns zu verabschieden. Nicht bevor ich Dagmar noch darauf hinwies, dass ich gestern Abend eine „sehr grosse“ Spinne im Schrank gefunden hatte. Ich wollte die anderen Gäste nicht erschrecken, aber ich vermutete eine Afrikanische Vogelspinne, und wahrscheinlich sind unsere „Nachmieter“ nicht so tolerant. Dagmar wollte es nicht glauben, nahm ein Glas zum Einfangen und Wegtragen der Spinne mit. Ich war sicher, dass das Glas zu klein war… Als sie sie dann sah, wollte sie von Einfangen nichts mehr wissen und rief das gesamte Hauspersonal. Gut, dass wir uns mit Vogelspinnen einwenig auskennen:(Danke, Sebastian) da sie nicht so einen grossen Aktionsradius haben, war ich mir ziemlich sicher, dass sie im Schrank bleiben würde und wir nichts zu befürchten haben. Und töten kam ja nicht in Frage, sonst hätte ich sie essen müssen ;0) Anfassen wollte ich sie aber trotzdem nicht, und so hat ein Angestellter mit einer Plastiktüte beherzt zugepackt und die Vogelspinne in einen Eimer gesetzt. Danach hat er sie ins Land weiter raus gebracht. Schränke sind ja schliesslich kein natürlicher Lebensraum für Vogelspinnen.

Da Conny so von ihren Tierchen begeistert war und ist, musste ich das Fahren übernehmen, durfte dann aber auch die Route bestimmen und nun darüber berichten. Wir nahmen nicht den direkten Weg zu unserem nächsten Etappenziel Plettenbergbay. Wir fuhren über den höchsten südafrikanischen Pass durch die Swartberge. Die Passstrasse ist vergleichbar mit einem guten Wanderweg in den heimischen Bergen, was sowohl Beschaffenheit (Schotter und nackter Felsen), Breite und Neigung betrifft. Es war lohnenswert, hat aber ein wenig Nerven gekostet, sowohl beim Fahrer als auch bei der am steil abschüssigen Hang sitzenden Beifahrerin.

Die Passstrasse führte in den kleinen feinen Ort Prince Albert, der bereits in der Karoo liegt. Zurück nach Süden ging es dann durch eine wild zerklüftete Schlucht, vorbei an einem idyllischen Wasserfall. Zum Glück auf einer gut geteerten breiten Strasse.

Aber wir wollten das volle Abenteuer und wählten für die weitere Strecke eine eigentlich als normal eingezeichnete Route durch die Berge und nicht die Nationalstrasse. Unbedingt machen: nach Knysna aus der kleinen Karoo über die R339 und sieben Schotterpisten Pässe zum indischen Ozean fahren. Die Streckenführung liess uns sehr gut den Wandel der Landschaft erleben. Wir quälten uns auf schmalsten Schotterwegen nach oben, erst durch eine karge Semi Wüste. Dann ging es nicht weniger qualvoll steil hinunter in grünste Schluchten. Wieder hinauf in nun mit Nadelwald bedeckte Berge. Je näher wir dem indischen Ozean kamen, umso mehr wandelte sich die Umgebung in einen Urwald. Kurz vor Knysna ging es durch ein Township und der Blick öffnete sich zum indischen Ozean.

Wir brauchten deutlich mehr Zeit, als wir dachten für diese Etappe. Allein die 60 Kilometer über die 7 Pässe benötigten zwei Stunden. Inzwischen wurde es dunkel und Wolken zogen gegen die Berghänge. Nun sind wir an der Garden Route, haben einen wirklich paradiesischen Garten vor der grossen Fensterfront unseres Zimmers … blicken vom Bett auf den seerosenverzierten Teich.

 

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