Der Weg ist das Ziel

Unsere vermutlich schwerste Etappe liegt hinter uns. Nach einem sehr guten Frühstück in der M’phingwe Lodge und einem Großeinkauf an Holzarbeiten starteten wir in nord-westliche Richtung. Diese Lodge war uns bisher einer der liebsten Plätze in Mosambik. Wir fühlten uns in unserem einfachen Bungalow mit der etwas entfernt davon liegenden noch einfacheren „Sanitäreinheit“ sehr wohl. Der Abend und der Morgen im zu drei Seiten offenem kleinen Restaurant bleibt uns in bester Erinnerung.

Aber zurück auf die Strasse. Die 30 Kilometer bis Caia führten noch über eine halbwegs vernünftige Teerstrasse mit den bekannten tiefen Schlaglöchern. Aber inzwischen stresst uns das Schlangenlinien-Fahren und schnelles Ausweichen auf den Sandseitenstreifen (wenn vorhanden ;-)) kaum noch. In Caia befindet sich eine der 4 von Autos zu befahrenden Sambesi Brücken, die den viertlängsten Strom Afrikas quert. Insgesamt nur 5 Brücken, auf einer über 1000 Kilometer langen Strecke durch Sambia, Zimbabwe und Mosambik … somit ist der Fluss eine nach unseren europäischen Gesichtspunkten schwer zu überwindende Trennlinie und eine Querung dieser 3 Länder ein gut zu planendes Unterfangen. Ein Umweg ist hier schnell eine mehrtägige Etappe.

Wir bogen allerdings vor der Brücke in westliche Richtung auf eine Sandpiste in Richtung Vila de Sena ab. Nun ging es für die nächsten 350 Kilometer auf einer mehr oder weniger breiten Sandpiste weiter … erst dem Sambesi Ufer folgend, dann in die Berge aufsteigend.

Vila de Sena war nach 50 Kilometern unser Etappen-Ziel, da dort die 5. große Brücke den Sambesi überspannt. Allerdings handelt es sich hier um eine Eisenbahnbrücke, die auch von Fußgängern und Mopeds genutzt werden kann. Die Brücke verdient wirklich einen Namen … Dona Ana … Da sie eine wunderschöne Konstruktion ist. Mit einer Länge von mehr als 3 Kilometern war diese in den 30 ern von den „Portugiesen“ gebaute Brücke die längste Eisenbahnbrücke der Welt. Vila de Sena ist ein geschäftiges Örtchen, dem man den portugiesischen Ursprung noch an vereinzelten nicht vollkommen zerfallenen Häusern gut ansieht. Auffällig ist ebenfalls die „Allee“ die den Ortskern bildet. Die Sandpiste weitet sich zu einer breiten Allee, mit einem Mittelstreifen, der früher bestimmt mit Schatten spendenden Bäumen bepflanzt war. Leider wurden diese inzwischen gefällt und verfeuert.

Nach Vila de Sena wurde die Piste immer schmaler. Ungefähr die Breite und Güte eines Feldweges. Aber das Fahren auf dieser Piste ist abenteuerlich und wurde durch die Aussichten hinreichlich belohnt. Die Strecke war nun wirklich eine Allee, mehrheitlich standen links und rechts des Weges Bäume und erweckten den Eindruck, durch einen grünen Tunnel zu fahren. Da inzwischen die Temperaturen auf über 35 Grad gestiegen waren, kühlte der Fahrtwind kaum noch. Wir schwitzten … aber fühlten uns doch nun richtig in Afrika. Es wurde heiß und einsam. Unterwegs galt es zwei Furten zu durchqueren, beide waren aber ausgetrocknet und stellten somit keine große Schwierigkeit dar. Im Schatten der Bäume der ersten Furt „schlachteten“ wir unsere Ananas und genossen die süße, saftige Frucht.

Einsam ist allerdings ein relativer Begriff hier. Immer wieder tauchten inmitten der Landschaft Strohhütten auf, vereinzelt, kleinere Ansammlungen oder richtige Dörfer. Wir navigierten mittels unseres sehr guten Reiseführers (Mosambik aus dem Hupe Verlag), der Kompass App von Connys Telefon und dem Tageskilometerzähler, der die Etappen zwischen den Wegmarken mass. Verfahren haben wir uns nur einmal kurz, da der Reiseführer und unsere Karten einen portugiesischen Ortsnamen nutzte. Wir suchten das Dorf mit der Kreuzung in südliche Richtung in die Berge, Lundo. Laut Kilometeranzeige hätten wir dieses auch erreicht, allerdings trug die durchfahrene Siedlung an den Gebäuden, z.B. an der Schule einen vollkommen anderen Namen. So fuhren wir weiter gerade aus … Skeptisch. An einem Sanitätsposten stand eine Gruppe Menschen davor und wir nutzten die Möglichkeit zu einem interkulturellen Austausch in Zeichensprache. Sie sprachen vermutlich rudimentär Portugiesisch, wir so gut wie gar nicht … Englisch half auch nicht. Aber mit viel Gestik, Lächeln und unserer Karte fanden wir heraus, dass wir in Lundo sind, der Ort nun anders heißt (leider kann ich den neuen Namen nicht aussprechen, geschweige denn aufschreiben) und unsere gesuchte Kreuzung einen Kilometer zurück liegt. Von da an war es nur noch ein Klacks bis zur Hauptstrasse ;-). Die Fahrt ging nun durch eine wunderbar afrikanische Landschaft mit Affenbrotbäumen, Fieberbäumen mit gelber Rinde und an Leberwurstbäumen vorbei.

Dummerweise wurde es mit dem Erreichen der wieder ausgebauten Strasse nach Tete dunkel und die 100 noch zu fahrenden Kilometer gestalteten sich auf der mit LKW recht stark befahrenen Strecke anstrengend. Diese Strasse wurde während des Bürgerkrieges als „Tete Run“ bezeichnet. Sie verband das kohlenreiche Gebiet um Tete mit Zimbabwe. Diese Ader wollten die Rebellen der RENAMO kappen und überfielen die über diese Strecke laufenden Transporte. Dies war aktuell in der Zeit, als mein Vater als DDR Kooperant in Tete lebte und beeinflusste das Leben hier stark.

Nach 80 Kilometer passierten wir den obligatorischen Polizeiposten und konnten bereits in der Ferne die für hiesige Verhältnisse hell leuchtende Stadt in der Senke des Sambesis erkennen. Gegen 19 Uhr fuhren wir, alle sehr k.o. von der Hitze und der anstrengenden Fahrt, über die neue Samora Machel Brücke ans nördliche Ufer des Sambesis in die Masolosolo Lodge direkt am Ufer des Sambesi. Auch diese Lodge war sehr angenehm. Kleine Bungalows erhöht auf Stelzen gruppiert um ein offenes Restaurant in der Mitte. Wir aßen ausgezeichnet über Holzkohle gegrillte Steaks und unseren Schlaf konnte selbst die im benachbarten Grundstück von 22 Uhr bis 5:30 Uhr typisch mosambikanische Freitagnacht-Party mit bassreicher Musik nicht sonderlich stören.

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