Elefanten

Ich sitze auf dem Balkon vor unserem Zelt und vis a vis von mir stehen 5 Elefanten und fressen sich am Grün der Bäume satt. Uns trennen höchstens 20 Meter und der Tümpel vor unseren Zelten. Es knackt laut, wenn einer der Elefanten sich einen der Äste vom Baum reisst und mit seinem Rüssel ins Maul schiebt … diese Momente sind zum (fast) heulen schön … und dabei habe ich die ebenfalls zu beobachtenden Krokodile, Schildkröten, Paviane und Buschböcke in unserer unmittelbaren Nähe noch gar nicht erwähnt. Unmittelbare Nähe meint in diesem Fall zum Greifen nahe ohne einem Zaun dazwischen … Ob es mich nervös machen sollte, dass das doch recht grosse Krokodil (geschätzt sicher über 2 Meter lang) gerade lautlos in dem uns trennenden Tümpel für mich nun nicht mehr sichtbar verschwunden ist … Nöööö!

Dabei war das Hierher-Kommen bereits ein wirkliches Abenteuer. Wir wollten nicht unbedingt die scheinbar schnelle Variante über die EN1 und Xai-Xai zum Limpopo National Park fahren, sondern auch bereits die Anfahrt interessant gestalten. Es wurde dann auch wirklich spannend. Wir bogen in Chidenguele von der Fernstrasse auf eine ordentliche baumbestandene Gravel Route und wählten den Weg über die beschauliche Provinzhauptstadt Manjacaze. Es lohnte sich wirklich, da der Ort, obwohl abgelegen, einen geradezu gepflegten Eindruck machte. Die alten portugiesischen Häuser stehen noch, tragen noch ihre ursprünglichen Beschriftungen und Jahreszahlen aus den 40zigern. Mich erinnert der Stil heftig an das Bauhaus, klare Formen folgen der Funktion und viel Beton, der für eine Leichtigkeit bei den auskragenden, schattenspendenden Vordächern sorgt.

Von hier aus führte uns die Fahrt weiter in Richtung Chibuto. Dort ging es recht steil hinab in das Schwemmland des Limpopo Flusses. Das Land wirkte sehr fruchtbar und wurde landwirtschaftlich intensiv genutzt. Genau in dieser Gegend ereignete sich im Jahr 2000 eine verheerende Überschwemmung. Ein Gebiet, gross wie Holland war innerhalb kürzester Zeit überflutet. Die internationale Hilfe, die danach einsetzte liess sich an der gut ausgebauten Strasse mit europäischem Standard gut erkennen. Genau diese Strasse brachte uns recht zügig bis in den Weiler Mohambe. Links und rechts der erhöht angelegten Strasse waren die Spuren der letzten starken Regenfälle und des über die Ufer getretenen Limpopos und seiner recht vielen Nebenflüsse aus dem Januar diesen Jahres noch gut zu erkennen. Das Wasser hatte recht heftig an der Befestigung der Strasse „genagt“.

Von Mohambe wären es dann nur noch knappe 30 Kilometer bis zum Ort Guja, wo eine neue Brücke den Limpopo überspannen sollte und uns die Weiterfahrt in den auf der anderen Seite des Flusses gelegenen Nationalpark ermöglichte. Allerdings existierte nach ca. 1 Kilometer keine Strasse mehr. Die erste Unterspülung lies sich noch mittels einer kurzen rasanten Berg und Tal Fahrt problemlos überwinden, aber dann klafften mehrere riesige Lücken in der Strasse und ausweichende Fahrspuren von anderen Fahrzeugen waren nicht zu erkennen … Hier war seit Monaten keiner mehr weiter gekommen! Wir diskutierten unsere Möglichkeiten: a) 150 Kilometer zurück nach Xai-Xai fahren und dort über den Limpopo und wieder 150 Kilometer auf der anderen Seite bis hier her fahren um dann noch die über 100 Kilometer in den Park zu meistern – keine wirkliche Alternative! Variante b) uns selbst einen Weg spuren – um dann mit dem Jeep mitten im nirgendwo stecken zu bleiben – auch nicht sonderlich attraktiv.

Aber irgendetwas geht immer … den Jeep hatten wir schnell gedreht und zurück ging es in Richtung der letzten Ortschaft. Da bog doch irgendwo ein Pfad in den Busch. An eben dieser „Kreuzung“ trafen wir auf einen sehr netten älteren Herrn auf einem Motorrad, der uns bereitwillig und in einem grossen Schwall Portugiesisch erklärte, dass dies ein möglicher Weg nach Guja ist, wir dem Pfad ca. 7 Kilometer folgen sollen und dann scharf links abbiegen müssen … Und das wunderbare – es funktionierte tadellos. Wir fanden unsere Strasse wieder und wiederholten das Abenteuer noch 2 mal … Vor einer nicht durchfahrbaren Lücke stehen – zurücksetzen und in den Busch fahren – an der nächsten Hütte stoppen und fragen, ob es in diese Richtung nach Guja geht … und kleinen Jungs für die Auskunft ein paar Kekse schenken 😉 …

Fast waren wir enttäuscht, als wir nach knapp 2 Stunden (es waren nur knapp 30 Kilometer;-)) Guja erreichten und die Brücke in einem fabelhaften Zustand vorfanden. Die nachfolgenden 100 Kilometer bis zum Tor des Nationalparks am Massinger Damm waren dann wieder nur ein Klacks.

Weil es so wunderbar passt, hier ein Zitat zu unserer Fahrt von Inhambane in den Limpopo Park aus dem Buch „Das grosse Los“ von Meike Winnemuth das ich gerade lese: „Everything is okay in the end. If it’s no okay it’s not the end“ … Passt wie die Fast aufs Auge … alles wird schon gut gehen.

Inzwischen ist es hier Nacht geworden, ein wunderbarer Tag liegt hinter uns und der Busch bietet gerade eine grossartige Geräuschkulisse. Es zirpt, trällert, knackt, brummt und bellt um uns herum … Zeit, um in die Boma zu gehen und am Feuer einen Drink zu geniessen.

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