Reise nach Yasd

Day_4.1

Gründonnerstag = Reisetag. Gleich nach dem Frühstück besuchten wir ein Historical Iran House in Kashan. Dieses wurde liebevoll restauriert und wir verliebten uns in jedes Detail: bemalte Decken und Wände, den hübschen Garten mit dem Pool in der Mitte (das Wasser ist mehr für das geniale Kühlungssystem als zum Schwimmen gedacht) verschiedene Räume für den Aufenthalt der Familie je nach Tageszeit (und Sonnenstand). Heute wird dieses Haus als Gästehaus genutzt, und wenn wir das nächste mal hier sind, werden wir uns ganz sicher hier ein Zimmer nehmen 😉

Unsere kleine Gruppe wird von 4 wunderbaren Menschen begleitet: als erstes Iran Riahi (www.riahitravel.ch), unsere Reiseleiterin, die sich wirklich um alles kümmert und mit der wir sehr interessante Gespräche über ihr Heimatland und Gott und die Welt führen. Dann Soheil, unser Reiseführer, der so viel weiss und alles erklärt, in einem rasanten Englisch, dass uns die Ohren zittern. Ausserdem lehrt er mit uns Farsi und wir mit ihm Deutsch. Als dritter im Bunde ist unser Chauffeur Baharam, der unseren Bus souverän durch den dichten Verkehr manövriert. Da ich ganz vorn hinter ihm sitze (wie immer in Bussen), muss ich oft ganz fest die Augen zukneifen, damit ich so manche brenzlige Situation nicht anschauen muss. Er aber ist geduldig und ich habe ihn noch nie fluchen gehört! Als letztes ist noch Nemat dabei. Er wurde uns als Assistent vorgestellt. Er ist so ein lustiges Kerlchen, das immer strahlt und stets in Bewegung ist. Er bereitet uns Tee im Bus, versorgt uns mit Wasser und süssen Leckereien, die Iran und Sohel zuvor bei den besten Bäckern vor Ort für uns einkaufen. Er weist aber auch den Bus in schmale Parklücken ein, betankt den Bus (mit einer Zigarette im Mund, unter dem Schild „Rauchen verboten“ 😉 )

Zwischenstopp auf unserem Weg nach Yasd: Wir besichtigten die älteste Wüstenmoschee Irans in Nain. Sehr beeindruckend fand ich die hohen unterirdischen Gebetsräume, die durch Alabaster- Platten in der Decke beleuchtet werden. Das Sonnenlicht gibt so diesen Räumen eine warme und eigene Stimmung, wie wir sie z.B. aus Kirchen kennen

Heute saßen wir längere Zeit im Bus, sodass wir in Ruhe die Landschaft an uns vorbei ziehen lassen konnten. Auf den ersten Blick ziemlich unwirtlich, diese Gegend: ein Hochplateau in der Steinwüste, windig und kühl, rechts und links von Bergketten eingerahmt. Mittendrin wird gerade versucht, ein Nuklearkraftwerk zu bauen, was anscheinend noch nicht gelingt. Die Sicherheitsmaßnahmen waren aber unübersehbar: schwere Geschütze, Warnschilder und Absperrungen. Und AUF KEINEN FALL durften wir Fotos machen in dieser Region. Ohne diesen Aufwand, hätten wir gar nicht bemerkt, daß dort etwas sein könnte!

Day_4.2

In Yasd angekommen, bezogen wir unsere Zimmer im Hotel – in einem orientalischen Park mit kleinen Wasserläufen, zwei herzigen Papageien am Eingang und hungrigen Kätzchen, die sich die Reste der leckeren Mahlzeiten vom Tisch stibitzen.

Vor dem Sonnenuntergang unternahmen wir noch eine kleine Wanderung auf einen Schweigeturm (Türme des Schweigens). Hier wurden bis 1960 die Verstorbenen den 4 Elementen übergeben, also Sonne, Wind, Regen und den Geiern ausgesetzt.

(Dann übernehme ich mal das bloggen von Conny …) Auf diese Art wurden die Gläubigen der alten iranischen Zoroaster Religion bestattet. Noch hat die Religion Anhänger im Iran (heute werden wir einen ihrer Feuertempel besuchen) und in Indien, wo deren Anhänger als Parsen (Perser) bezeichnet werden. Dem Religionsstifter Zarathustra haben wir unser duales System von Gut und Böse zu verdanken und auch ohne genauere Kenntnisse der Religionswissenschaften ist dieser Glaube augenscheinlich die Wurzel des Judentums, der Christen und des Islams … und Nietzsches Werk „Also sprach Zarathustra“ dürfte auch davon inspiriert sein. Da gibt es einiges noch zu lesen, wenn wir wieder zu Hause sind.

Der Ort selber am Rande der Stadt, eingefasst von einer hohen Bergkette mit den beiden Schweigetürmen hatte eine sehr mystische Wirkung, etwas sehr Altes, ein philosophisches Konzept war „spürbar“ … ein Ort der einen bewegt.

Genug für heute … chodahafez … Auf Wiedersehen!

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