29/08/2014 Britanniahütte und Fluchthorn

… um 4.50 Uhr war die erste Nacht vorbei – wirklich viel geschlafen hatte ich sowieso nicht. Ein Massenlager ist definitiv nicht meine bevorzugte Schlafstätte. Kurz nach 2 Uhr bin ich trotz der Geräuschkulisse und der eigenen Kurzatmigkeit eingeschlafen und kurz vor 5 öffnete jemand die Tür, schaltete das Licht ein und damit war die Nacht dann zu Ende.

Nach einer Katzenwäsche mit eiskaltem Wasser und einem „sprachlosem“ und kurzem Frühstück legten wir unsere Gamaschen und den Klettergurt an. Noch im Dunklen – die Sonne begann ganz zaghaft, bereits zu erahnen, hinter den Gipfeln der umgebenden 4000 Meter hohen Bergen aufzugehen – starteten wir in den Tag. Im Licht der Stirnlampen stiegen wir den steilen Weg zum Gletscher hinab. Mit angelegten Steigeisen querte ich meinen ersten Gletscher – weit und breit waren wir die einzigen, die hier unterwegs waren. Eine geniale Stimmung, die Sonne hatte es inzwischen über die Berggipfel geschafft und sorgte auf der gegenüberliegenden Bergflanke für spektakuläre Lichtschauspiele. Die Gipfel der einrahmenden Berge glühten wunderbar in der aufgehenden Morgensonne.

Wir querten den ungefährlichen kleineren Chessjengletscher, arbeiteten uns etwas mühevoller durch ein Geröllfeld und nutzten unsere erste Verschnaufpause, um uns in einer 3er und einer 4er Seilgruppe einzubinden. Thomas , Sven und ich bildeten eine Seilschaft. Über den Allalingletscher ging es nun zuerst allmählich ansteigend unserem Tagesziel, dem Fluchthorn entgegen. Dieser Gletscher war deutlich mächtiger und das Queren der Gletscherspalten wurde etwas anspruchsvoller, kurze Sprünge oder ein längeres ausweichen / umgehen wurde notwendig. Unser Ausbildner Florian erklärte uns das Lesen des Gletschers, wo sind welche Spalten und wie können diese beurteilt werden. Die Gletscherspalten waren am Morgen noch meist von neuem Schnee bedeckt und so mit recht „heimtückisch“ und nicht leicht auszumachen. War eine Spalte offen, konnte ich teilweise viele Meter hinab in einen hellblauen, gurgelnden Schlund blicken.

Allmählich wurde der vereiste, harte Gletscheruntergrund von immer mehr Schnee überdeckt. Vor uns war heute noch niemand auf unseren Berg gestiegen. Die voran gehende Seilgruppe spurte somit für uns den Weg. Dieser wurde immer steiler ansteigend und wir stapften durch den tiefer werdenden Schnee. Überall dem flogen die Wolken auf einem blauen, sonnigen Himmel über uns hinweg. Jegliche Geräusche von Zivilisation fehlten. Die Höhe wurde spürbar, die Muskeln begannen zu schmerzen. Der Wind pfiff heftiger und uns fehlte merklich der Sauerstoff zum verbrennen. Aber wir schnauften durch und gingen langsam und beständig in Richtung Gipfel weiter. Mein spürt seinen Körper, den Widerstand und stapft gegen den inneren „Schweinehund“ weiter an. Trotzdem überwiegt der Genuss – das vorwärts schreiten ist fast Meditation. Der Ausblick fantastisch – das endlose Weiss und der blaue Himmel darüber.

Gegen 11 Uhr erreichten wir den 3800 Meter hohen Gipfel des Fluchthorn und genossen den Blick zurück und auf unser nächstes Ziel am Sonntag – das Allalinhorn. Beim Abstieg ging unsere Seilschaft einen neuen Weg suchend voran. Für mich war es ein hinunterstürzen … deutlich zu schnell und immer wieder über den Schnee rutschend … die Anderen hatten ihren Spass und ich war froh, als wir wieder auf dem Gletscher ankamen.

An einer abschüssigen Stelle übten wir noch das Gletscherspalten Retten, aber unsere Lernkurve flachte erheblich ab – langsam, aber zunehmend wurden wir alle müde und der Weg zur Hütte wurde in Angriff genommen. Auf dem Gletscher durften wir dann allerdings das geübte noch anwenden, da Thomas bis zum Bauch in einer der zahlreichen Gletscherspalten verschwunden war – selbstverständlich zogen wir Ihn heraus.

Die Hütte war an diesem Abend noch weniger gefüllt und nach einem wirklich gutem Essen und einem noch müder machendem letztem Bier ging es in unsere Schlafkojen. Und Ja, Waschen wird überschätzt 🙂

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