Auf dem Dach Afrikas

Wir schlafen dicht bei den Sternen über 3000 Metern in sonnengelben Zelten in einer phantastischen Landschaft. Zumindest liegen wir auf unseren dünnen Matten, fest eingemummelt in unsere dicken Schlafsäcke und dösen in die Nacht. Die Nachttemperaturen liegen vermutlich knapp über 0 Grad und ein kalter Wind rüttelt an den Zelten. Draussen wacht unser Scout, nur eingehüllt in seine Allzweck-Decke, mit seiner altersschwachen Kalaschnikow. Wovor er uns beschützt, ist uns nicht so klar und wird von Banti, unserem Führer durch die Simien Berge recht unbestimmt erklärt … Wilde Tiere und oder Diebe. Unser Scout ist unbestimmbar alt, vermutlich über 50 Jahre. Nachts hockt und liegt er auf dem blanken Boden an einer mehr oder weniger windgeschützten Stelle. An seinen Füssen trägt er billigste chinesische Plastik-Sandalen und dünne Socken. Auch seine verschlissene Jeans und das dünne Nylon-Jäckchen wärmen wenig. Er stammt aus diesen Bergen und ist das raue Leben in der Natur gewöhnt. Stumm begleitet er uns, lächelnd, als letzter der Gruppe auf unseren Touren.


Die erste Nacht verbringen wir im Sankaber Camp auf 3200 Metern. Neben unserem Scout sind mit uns unterwegs, Banti unser junger, sehr guter Führer, ein Koch und sein Hilfskoch. Der Tag beginnt um 7Uhr mit dem lauten Klappern von Töpfen und Schüsseln in der Hütte unserer Begleiter. Auf einem Gaskocher wird Wasser für Kaffee und unsere Morgenkatzenwäsche gewärmt. Der äthiopische Tag beginnt mit dem Sonnenaufgang. Nach äthiopischer Zeitmessung ist dies 1 Uhr und der Tag endet genau 12 Stunden später mit dem Sonnenuntergang … Fast unveränderlich über das ganze Jahr. 

Gemächlich starten wir zu unserer ersten Tour hinauf zum Gich Camp. Wir wandern entlang der steilen Bruchkante und mitten durch einen frühstückenden Clan Blutbrust Paviane. Ein riessiges Rudel von bestimmt hundert Tieren in allen Grössen lassen sich nicht von uns stören. Es werden Gräser ausgerupft, kleine Äffchen gesäugt, am 1000m steilen Abhang sich gegenseitig gejagt und dominantes Gehabe gezeigt. Die Tiere sind zum Greifen nahe, aber wir halten uns respektvoll zurück … Obwohl die Tiere so flauschig sind! Der Anstieg zum Camp führt durch eine raue Hochlandschaft. Vom Rand unserer Steilwand blicken wir auf einen über 500 Meter tief hinab stürzenden Wasserfall auf der gegenüberliegenden Seite des Hanges. Der den Wasserfall speisende kleine Fluss bietet uns einen wunderbaren Platz für unsere Lunch-Pause. Wir picknicken mit nackten Füssen im klaren Wasser bevor die letzten immer beschwerlicher werdenden Meter bis auf 3600 Meter überwunden sind. 


Unsere Zelte warten bereits auf uns und das einfache Dinner schmeckt vorzüglich im windigen, kalten Zelt. Mit uns am Tisch im Licht einer Kerze sitzt Banti und wir finden Gelegenheit mit ihm über sein Leben in Äthiopien zu reden. Er studierte Wirtschaft, arbeitete in einer Bank und ist nun Führer von Reisenden wie uns durch die Berge. Er gehört zu Volksgruppe der Amharar, stammt aus den Bergen und wohnt in der Stadt Debrack. Als wir auf die Tage Anfang Oktober zu sprechen kommem ist seine Trauer zu spüren. Auch in Debrak gab es Tote bei den Unruhen und Freunde von ihm sitzen im Gefängnis. Er meint, froh zu sein, mit uns in den Bergen zu sein und nicht unten in der unsicheren Stadt mit korrupter Polizei und Militär. Banti erzählt im perfekten Englisch eloquent über die politische Situation in Äthiopien und seiner Region. Er ist gut informiert über die Situation in Europa und der Welt und wir diskutieren über die morgen anstehende US-Präsidenten Wahl. Er interssiert sich für unser Alltagsleben, will ein vergleichbares, freies Leben hier in diesem Land führen. 


Die zweite Tour führt uns zum Akklimatisieren hinauf auf den Gipfel des Imet Gogo (3900 Meter)  und bietet einen atemberaubenden Blick hinab auf bewirtschaftete Felder in steil eingeschnittenen Tälern. Der Anblick ist einmalig und mit nichts bisher von uns Gesehenem vergleichbar. Zum Abschluss unserer Tour durch die Simien Berge hat Conny heute ihren ersten Viertausender bezwungen und steht mit uns lächelnd an der schroffen Kante des Inatye (4070 Meter). Der Abstieg hinab ins Chennek Camp entlang der Kante erfordert noch etwas Aufmerksamtkeit, Schwindelfreiheit und einen sicheren Tritt. Wow … Was für wunderbare Tage mit freundlichen Menschen auf dem sehr kalten Dach Afrikas. 

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