Juwel weit in den Bergen

Lalibella ist ein versteckt liegendes Juwel mitten in der äthiopischenn Bergwelt. Der Weg dorthin war lang und für unseren Minibus und vor allem für unseren fahrenden Guide Alazar sehr fordernd. Startend von Mekelle folgten wir der kurvigen N1 die Begre hinauf und hinab. Von oben boten sich uns wunderbare Ausblicke auf eine Kulturlandschaft. Überall wird Ackerbau und Viehzucht betrieben. Die steilen Hänge der Berge sind terrassiert und im Talboden sind viele kleine, bewirtschaftete Felder zu sehen. Überall grasten Tiere und Farmer holten die Ernte vom Feld und droschen den Teff auf alt hergebrachte Weise mit Ochsen. 

Nach unserem obligatorischen Lunch Stopp verliessen wir in Weldiya die N1 und schraubten uns auf dem immer abenteuerlicher werdenden Woreta Highway in die Höhe auf wieder über 3200 Meter. Die eng an die schroff aufragenden Bergwände angelegte Strasse windet sich mit vielen Kehren durch die bergige Landschaft. An den exponierten Stellen boten sich schwindeleregenden Talblicke. Ohne dem langsamen Lkw Verkehr, der überholt werden muss und den uns entgegen rasenden Minibussen und Tuktuks wäre es schon aufregend genug gewesen. Noch dazu kamen ganze Volkswandergruppen, voll beladene störische Esel und grössere Tierherden. Alazar pflügte mitten hindurch und umkurvte die gossen und tiefen Schlagloch-Krater. 

Am Scheitelpunkt der Strasse verliessen wir die asphaltierte Route und nutzten einen „guten Bergwanderweg“ für die restlichen Kilometer bis Lalibella. Wir unterstützten Alazar beim Navigieren mit unserer bereits aus Mosambik bewährten Tageskilometer-Methode. Nach 25 Kilometern musste der oder nach 40 Kilometer jener auffällige Punkt kommen. Es klappte! Wir wurden 3 Stunden mächtig durchgeschüttelt, fuhren aber dafür durch abgelegene Bergdörfer und eine schöne, abwechslungsreiche Landschaft. Die langsam untergehende Sonne tauchte zusätzlich alles in weiches, mystisches Licht. Mit den letzten Strahlen der bereits hinter einer Bergkette versunkenden Sonne erreichten wir die in die Stadt führende Asphaltpiste und kletterten die letzten Höhenmeter in das abendliche Lalibella. Wir schliefen die nächsten beiden Nächte gut in der Tukul Village Lodge, in den historisch nachempfundenen Rundhäusern der Region. Die Tukuls sind zweistöckig. Unten wird das Vieh eingepfercht und oben lebt die Farmerfamilie – allerdings auf einer sehr bescheiden grossen Grundfläche. Die Dächer sind wenig spitze Runddächer eingedeckt mit Stroh oder inzwischen mit dem üblichen Wellblech. In unserem Tukul schliefen Conny und ich im unteren Stockwerk – keine Achtung vor dem Alter bei den beiden mit uns Reisenden 😉



Der Rundgang über die beiden Areale mit den weltberühmten Felsenkirchen beeindruckte uns sehr. Mehr als 20 Meter tief wurden die monolitischen Gebäude aus den Felsen geschlagen. Von Weitem sind die in den Berg gegrabenen Kirchen nicht erkennbar. Plötzlich steht man vor tiefen Gräben und blickt auf Gebäude, die vor 1000 Jahren geschaffen wurden. Die meisten der 12 Kirchen können im Fels umrundet werden, also wurden sie komplett aus dem Stein frei geschlagen. Die Tempel sind von aussen betrachtet eindrucksvoller. Im Inneren erinnern sie zwar an römische Tempelanlagen oder Kathedralen mit rund gewölbten Decken und mächtigen Pfeilern aus Felsen, sind aber meist farblos, dunkel und irgendwie immer voller „Gerümpel“ für die viellfältigen Gottesdienste. Ein Priester sitzt in jeder der Kirchen und achtet darauf, das wir keinesfalls den heiligsten der heiligen Bereiche betreten. Dieser ist immer hinter hohen Tüchern verborgen und soll angeblich eine Kopie der Bundeslade und darin enthaltenen Gesetzestafeln enthalten. 


Grundsätzlich ist Glauben ein immens wichiges Thema in Äthiopien und speziell hier in Lalibella. Unser fachkundiger Guide Abebe bot uns zwei Erklärungen zur Erschaffung der Anlage an – die Version zum Glauben: König Lalibella erschuf die Kirchen mit einer Engelsschar. Die profane Version der Historiker: Bereits der Vorgänger von König Lalibella und dieser beauftragten über 30 000 ihrer Untertanen in mühevoller, über 50 Jahre andauernder Handarbeit diese Wunderwerke aus dem Felsen zu schlagen. Für welche Version bist Du?

Am beeindruckensten ist ganz klar die etwas abseits vom Komplex liegende Sankt Georg Kirche mit dem Grundriss eines griechischen Kreuzes. Aber auch der stockdunkele über 20 Meter lange Verbindungstunnel zwichen zwei Kirchen hatte beim Hindurchtasten seinen Reiz. War das flauschige, was ich gerade fühlte das Tuch von Conny oder eine Fledermaus … alles eine Frage des Glaubens!

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