Kanazawa auf zwei Rädern

Ein „Business“ Hotel etwas ausserhalb des Stadtzentrums mit allen Schikanen hat mindestens drei bis vier aktuelle Vorteile für uns. Zwar ist unser Zimmer recht klein, aber trotzdem mit allem erdenklichen Schnickschnack ausgestattet. Vorteil eins: es hat einen Onsen, der nur gering frequentiert wird … nach 20 000 Schritten durch die frühabendliche, durch windige Böen sich merklich abkühlende Stadt kann man allein und somit völlig ungestört eine Stunde in 40°C warmen Wasser vor sich hindösen. Vorteil 2: Das riesige Frühstücksbüffet am nächsten Morgen bietet neben viel Soja, Fisch und Reis einen starken Milchkaffee und frisch getoastetes Brot mit salziger Butter. Eine willkommene Abwechslung nach zwei Tagen mit ausschliesslich japanischer Hausmannskost. 

Vorteil 3: Keiner wollte die zwei dem Hotel gehörenden Leihräder bisher ausleihen … unsere Gelegenheit wirklich fast jede Ecke von Kanazawa stressfrei zu erkunden. Das Wetter meint es sehr gut mit uns, keine Wolke am Himmel versperrt den Weg der Sonnenstrahlen. Obwohl die Stadt mit 440 000 Einwohnern gut die Grösse einer deutschen Grossstadt hat, geht es im Verkehr recht ruhig zu. Wir „schwimmen“ auf unseren Damenfahrrädern mit Einkaufskörbchen am Lenker im Verkehr mit. Durch schmale Gassen mit genauso schmalen Häusern (zu Hause müssen wir unbedingt weiter über „tinyhouses“ nachdenken … wieviel Platz braucht der Mensch zum Wohnen?), auf recht breiten Gehwegen zur gemeinsamen Nutzung und auf markierten Bereichen auf den grösseren Strassen geht es flott zu unserem ersten Ziel, dem grossen, überdachten Omicho-Ichiba Markt. Unser Baedeker Japan Reiseführer meint zwar, dass wir als Touristen uns gefälligst Park und Burg anzusehen hätten … aber was weiss der schon von unserer Art zu Reisen. Wir wollen anderes sehen und wenn die Zeit bleibt … gehen wir auch in einem der schönsten Parks / Gärten Japans spazieren. 


Der Markt ist bunt. Viel Fisch und Gemüse wird von den knapp 200 Händlern frisch angeboten. Unmittelbar vor unsere Füsse wirft der Fischverkäufer einen dicken Oktopus 🐙 der mit seinen Fangarmen über den Boden noch kriecht. Ein grosses Messer beendet seine „Fluchtversuche“ Weiter geht es mit den Rädern in das pittoreske Teehausviertel Shima Chaya. Tee finden wir keinen, dafür aber Blattgold. Ganz dekadent kann man für 6 Euro ein Softeis mit einer Blattgoldauflage vertilgen … wir verzichten. 


Unser eigentliches Ziel der Tour in Kanazawa ist (das leider in keinem unserer beiden Reiseführer aufgeführte) DT Suzuki Haus. Das Gebäude ist eine Skulptur, ein Raum für Zen. DT Suzuki war Mitte des letzten Jahrhunderts einer der bedeutenden Zen Meister Japans und der Gebäudekomplex vermittelt eindrücklich die Philosophie des Zen … NICHTS! LEERE! Zwar ist der innere Teil des Komplexes geschlossen (Montags haben Museen weltweit zu und wir erleben bereits „zeitlos“ unsere Reise), aber das Gebäude als Skulptur wie auch im Besonderen das grosse, es umgebende Wasserbecken beeindrucken uns. (Viele Grüße an Mies van der Rohe) Spürbar werden wir ruhig, die Geräusche der Stadt verschwinden, wir flüstern und betrachten fast meditierend das Ensemble. Sporadisch wird durch eine kleine Fontäne das Wasser des Beckens in Bewegung versetzt. Konzentrische Kreise breiten sich aus und langsam verwandelt sich die Wasseroberfläche wieder in einen Spiegel der umgebenden Landschaft … Muss man besucht haben!


Natürlich waren wir noch im Park und ja, tausende Touristen können nicht irren … der Park kann begeistern, nur ist man wirklich nirgends allein und ständig von tausenden Kameras an Selfisticks umlagert. 


Ausserdem: Vorteil 4! Wir konnten unsere Wäsche im hoteleigenen Waschsalon waschen. Das Trocknen wurde dann zwar zu einer etwas längeren „Übung“ mit einer mitternächtlichen Exkursion zum Trockner … aber hej, man(n) kommt auch mit wenig Unterhosen durch Japan!

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