Füchse und Baumkuchen

Kyoto ist zum Verlieben … eine Stadt die einem ab dem Bahnhof sofort sympathisch ist. Natürlich tragen die angenehme Anreise per Zug und die frühsommerlich warmen Temperaturen bei einem wolkenlosen Himmel mit einer kräftig strahlenden Sonne mit dazu bei. Kyoto hat sanfte Bergketten, die die Stadt umschliessen und böse Geister daran hindern, in die Stadt zu gelangen. Ein breiter Fluss teilt den Stadtkern und bietet am Ufer eine attraktive Promenade zum Schlendern, Rad zu fahren oder sogar zu joggen. Kyoto bietet eine geballte Ladung Weltkulturerbe. Man spaziert im Stadtgebiet und deren hügligen Rändern von Tempel zu Schrein und dabei immer wieder durch beeindruckende Parkanlagen. 

Über die Perfektion der öffentlichen Verkehrsmittel haben wir schon berichtet, ebenfalls die Rücksichtnahme der Reisenden. Was ich bisher vergaß zu erzählen, ist die Effektivität und Freundlichkeit des Zugpersonals. Mit dem Betreten des Wagons grüsst der Zugbegleiter in den Wagen hinein, verbeugt sich und lässt sich im Reginalexpress wirklich nur noch von den neu zugestiegenen Passagieren die Tickets zeigen. Am Ende des Wagons angekommen wird sich wieder verabschiedet und nochmals verbeugt. Die gleiche angenehme Aufmerksamkeit und Freundlichkeit begegnet uns im Hotel oder Ryokan. Das herzliche Willkommen kommt glaubhaft an und wir fühlen uns als Reisende nicht als Störung des Hotelablaufes, sondern wir sind wichtig. Ohne Hektik erfolgt das Einchecken und die Erklärung der Hoteleinrichtungen … das ist nicht die Ausnahme in dem einen besonderen Hotel, sondern Normalität bisher in jedem der besuchten Häuser. In Tokio fand ich es noch komisch, als alle Angestellten des Lokals bei unserem unsicheren Betreten „Irgendwas Masee“ uns laut entgegen brüllten. Inzwischen weiss ich, das es Iraschai Massee lautet und uns herzlich im Lokal willkommen heisst. Mich begeistert zudem die Körperbeherrschung unserer Dame des Ryokans, welche uns an den niedrigsten Tischen bedient. Leise öffnet sie die papierbespannte Schiebetür von Aussen, schlüpft aus den Latschen, balanciert dabei ein Tablett mit unseren Speisen, betritt den mit Tatami Matten ausgelegten Speiseraum, schliesst die Tür wieder, tippelt zu unserem Tisch, sinkt mit dem schwer beladenen Tablett auf die Knie, reicht uns lächelnd neue Köstlichkeiten und entschwindet nahezu geräuschlos wieder. Hilft dabei enorm um selbst zur Ruhe zu kommen. 

Wir haben uns gegen das Fahrrad entschieden … ein Fehler. An zwei Tagen kommen wir auf jeweils 30 000 Schritte. Ich, Jörg, bin halt ein Menschenschinder :). Es beginnt immer so harmlos. Mit der Vorortbahn zum ersten Ziel gemütlich tuckern war der Plan … die japanische Rushhour die Wirklichkeit. Bereits am Bahnsteig war vor vielen Menschen die Farbe des Steinbodens nicht mehr zu erkennen. Mitschwimmend spült es uns in die Bahn und immer noch Menschen uns hinterher. Umfallen war unmöglich.  


Bei der riesigen Auswahl an Schreinen und Tempeln muss man Schwerpunkte setzen. Liegt das Interesse eher bei Shinto-Schreinen, buddhistischen Tempeln oder will man einfach einen wunderbaren, inspirierenden Platz besuchen. Wir wollten rote Tore sehen, eines der Bilder, welches uns zur Reise nach Japan inspiriert hatte. Ein Besuch des Fushimi Inari Schreins lohnt sehr. Ein üppig bewaldeter Berghang, fast ein Urwald, liefert die Kulisse für 10 000 rote Torii Tore. Garantiert hat jeder ein Bild davon im Kopf: zwei mächtige Pfosten tragen 2 Querriegel, die an den Enden leicht nach oben gebogen sind. Mit uns streben viele Besucher den Berg aufwärts durch den Tunnel der roten, von der Sonne wunderbar beleuchteten Tore. An einem der Schreine zweigt ein kleiner Weg ab, der von all den anderen ignoriert wird. Eine super Gelegenheit für sich zu sein. Der Weg schlängelt sich, zwar ohne Tore, durch einen Wald von riesigen Bambusstämmen an kleinen Schreinen und Gräberfeldern vorbei. Überall sitzen Füchse (aus Stein :-)) mit roten Lätzchen um den Hals … noch eines der zu lösenden Japan Rätsel. Hat jemand eine Idee, wozu ein Fuchs (und auch sonstige Steinstatuen) ein Lätzchen tragen müssen? 


An einem kleinen Wasserfall hat ein Holzschnitzer seine kleine Werkstatt eingerichtet. Ein idyllisches Plätzchen zum Arbeiten. Freundlichst werden wir in die Werkstatt eingeladen und ich darf ein „Fachgespräch“ über Holz an sich und die Vor- und Nachteile westlicher und japanischer Sägen führen. Wir haben uns angewöhnt, jeden, mit dem wir ins Gespräch kommen um ein Lokal Tipp zu bitten. Essen ist etwas Verbindendes und bisher wurden wir nie fehlgeleitet. Unser Schnitzer empfiehlt uns sein Lieblingsramen Lokal, welches praktischerweise in der näheren Umgebung des Kyotoer Hauptbahnhofs liegt. Der Besuch lohnte sich: Lange Schlange vor dem Laden, Ambiente naja (Personal in Gummistiefeln :-)), aber die Ramen … köstlich!

Noch ein ruppiger Anstieg durch einen dichten Wald und dann ist das Gipfel Plateau erreicht. Der Tore begrenzte Weg wird sichtbar und nur wenige Menschen haben den Aufstieg bis nach oben fortgesetzt. Vermutlich fotografiere ich zu viel … aber bei dem Angebot an Motiven: 


Ausserdem: Wir lieben Baumkuchen. Egal ob das Salzwedler Original, die Berliner Version oder der Baumkuchen aus der Lausitz. Und die Japaner teilen unsere Leidenschaft. Um den Bahnhof herum gibt es mindestens 3 Läden, die Baumkuchen (deutsch beschriftet) produzieren und in hochwertigen Verpackungen an den Käufer bringen. Geschmacklich passt es … nur die Form ist zu symmetrisch und nicht so wild wellig wie bei uns. Ausserdem findet sich in unserer Heimat noch keiner in grün ;o). Hier wir nämlich auch Machatee in den Teig gemischt – auch sehr lecker!

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