Kontemplative Ausflüge

Hörst Du es?                              Nichts! Absolute Stille! Vor ein paar Minuten hat eine Glocke die letzten 10 Minuten bis 21 Uhr mit einem minütlichen Glockenschlag hinab gezählt und nun ist es Still auf dem heiligen Berg Koya san. Wir liegen auf unseren Futons auf Tatami Matten im Kloster Juchi in. Die Wände zum Flur und zu den Nachbarräumen sind aus dünnem Papier und zur Decke zieht sich ein breites Lichtband aus einer Holzstäbchenwand mit viel Durchblick (und relativ schlechter Schallisolierung:-)) zum Nachbar. Spartanisch … aber komfortabler als eine Berghütte auf unseren Hochtouren in den Alpen oder Afrika. Gerade kamen wir gut durchgewärmt aus dem zum Kloster gehörenden Onsen und das Platzangebot ist hier allemal grosszügiger. Wir dürfen ein 10 Tatamimatten grossen Raum für uns allein beanspruchen 🙂 … eine Matte hat eine Grundfläche von ca. 1 auf 2 Meter. So früh im Bett zu sein, bietet die Gelegenheit, das Erlebte der letzten Tage zu sortieren. 


Kyoto und der Philosophenweg: Da wir bereits am Tag zuvor mit über 30 000 Schritten die Tempel im südöstlichen Teil der Stadt abgelaufen sind, war der Plan es nun etwas ruhiger anzugehen. Minimales Tagesziel … wir geniessen den Philosophenweg! An der Tempelanlage Nanzen-ji verlieben wir uns in die stille Anlage mit einem wunderbaren Holzpavillon. Von einer breiten, gut verschatteten Terrasse blickt man in einen idealen Garten. Fette Koi Karpfen ziehen im Teich ruhig die Kreise und durchstossen mit weit geöffnetem Maul die Wasseroberfläche. Leider haben wir uns ein wenig „verdüddelt“ und dunkle Wolken türmen sich am Horizont und schliesslich über uns auf. Ein Weltuntergangswind fegt durch die Sztrasse und wir entschliessen uns zum Rückzug … die U-Bahn Station ist Rettung in letzter Sekunde und das Manga Museum ein toller Plan B. Das Museum befindet sich in einer ehemaligen Schule. Es ist bereits interessant das Gebäude anzuschauen … der strenge Blick des Schuldirektors im Eingangsbereich ist förmlich noch zu spüren und das ehemalige Schulzimmer riecht noch nach nasser Tafel und Kreideschlemme. Ansonsten ist es lustig all die Lesenden jeder Altersklasse und jeden Geschlechts zu beobachten. Regale voll mit allen denkbaren Mangas der bestimmt letzten 30 oder 40 Jahre können gelesen werden. Mit etwas Suchen finden wir uns bekannte Mangas wie Akira und die Bücher von Jiro Taniguchi. Als wir wieder zum Ausgang gehen ist es zwar bereits späterer Nachmittag aber die Sonne hat wieder die Herrschaft über den Himmel übernommen. Zurück zur letzten U-Bahn Station vom Vormittag und mit der untergehenden Sonne und recht wenigen Leuten schlendern wir den Philosophenweg entlang und freuen uns über blühende Bäume und flauschige Katzen.

Ausflug zu I.M. Pei: Unseren letzten Tag in Kyoto starten wir mit einen Ausflug in die nähere Umgebung. Zufällig feierte genau an diesem Tag eine Architektur Ikone den 100. Geburstag … I.M. Pei, ein amerikanischer Baukünstler mit chinesischen Wurzeln. Auch jeder Architekturmuffel kennt mindestens eines seiner Gebäude, z.B. Den Eingangsbereich des Louvre in Paris mit der markanten Pyramide. In den Bergen von Kyoto durfte er ein einzigartiges Kunstmuseum für eine Sekte konzipieren. Die Exponate sind ein Zug durch 4000 Jahre Menschheitsgeschichte. Ägyptische Statuen, Bronze aus dem Iran und Glas aus Japan. Aber primär, zumindest für uns, ist nicht das Ausgestellte, sondern das wie. Dere Zugang zum Museum ist ein Gleichnis. Die architektonische Umsetzung einer im asiatischen Raum bekannten Geschichte von einem Jungen und einem mystischen Pfirsichhain (Shangri La). Wie der sich verirrende Fischer durchschreiten wir einen Bergkamm durch einen gebogenen Tunnel und am Ausgang des Tunnels überspannt eine von vielen Stahlseilen getragene Brücke eine Schlucht um den Blick auf ein verstecktes Paradies freizugeben. Um die umgebende Landschaft nicht zu sehr zu verändern (Berge sind heilig) wurden die Ausstellungsräume in den Berg gegraben und der Eingangsbereich erinnert an die zuvor besuchten buddhistischen Tempel. Viel Glas und eine aus Dreiecksstreben bestehende transparente Dachkonstruktion durchfluten den Raum mit Licht. Eines der besten Museen, die wir bisher besuchen durften … Danke an Fridtjof für den Tipp!



Heute morgen sind wir auf Meeresniveau in Kyoto gestartet. Haben uns im wuseligen Osaka nicht verlaufen und mit der Hilfe einer älteren Dame gleich beim zweiten Anlauf den richtigen Bahnhof der Privatbahn nach Koyasan gefunden. Der Weg bis zum Hauptbahnhof Osaka ist einfach, komplexer wurde die Aufgabe den Bahnhof Namba zu finden. Was ich für einen kleinen Bahnhof hielt, entpuppte sich als riesige Schoppingmall mit unzähligen unterirdischen Verbindungsgängen, Rolltreppen unterschiedlichster Länge und vielen verschiedenen Bahnstationen. Mit ein wenig Schweiss auf der Stirn sassen wir dann im richtigen Vorortzug der uns nach Hashimoto und von dort weiter, nun durch viele Kurven quietschend, in einem noch kürzeren und älteren Triebwagen, immer steil an der Bergflanke entlang zu einer nostalgischen Talstation einer Standseilbahn. Unter den Kronen von Pinien und Zypressen in den Bergen auf 800 Metern über dem Meer liegt seit über 1300 Jahren das geistige Zentrum einer buddhistischen Sekte (Shingon) mit vielen kleineren Klöstern, die es uns Reisenden ermöglichen, einmal eine Nacht innerhalb klösterlicher Mauern zu verbringen (seit 21 Uhr ist das Tor vermutlich fest verschlossen, wenn ich die Ausführungen des uns begrüssenden Mönches richtig in Erinnerung habe).
Im Ort findet sich ausser spiritueller Einkehr zwar kein mehr geöffnetes Restaurant. Dafür ist der Spaziergang durch das Tempelgelände beeindruckend. Die tiefstehende Sonne lässt die prächtige Orange farbige Pagode strahlen. Die hohen und alten Bäume wirken sehr beruhigend und wir wandern weiter in Richtung des Mausoleum des Sektengründers. Der Wald wird dichter, die Sonne versinkt und Steinleuchten am Rande des Weges beleuchten den Pfad durch eine Unmenge an Stehlen unterschiedlicher Form und Höhe. Dies sind Totenkult Plätze. Sogar international bekannte Unternehmen haben hier einen Bereich. Wir entdecken Namen wie z.B. Nissan und Komatsu. Ein besonderer Ort, vor allem zu dieser Zeit und so allein … Fotosujets ohne Ende. 


Ausserdem: Das Gebäude unterhalb des Kyoto Towers ist grandios. Kürzlich eröffnet und mit halbfertigen Charme und noch erkennbaren Rohbaustruckturen bietet das Untergeschoss eine tolle „Fressmeile“. Wir kommen endlich zu unseren gegrillten Hühnerspiessen (Yakitori) und zu zwei 1A gemixten Gin Cocktails eines jungen Barkeepers … Cheers!

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