Am Ende ein See … Song Kul

Am Ende ist immer alles gut, wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht zu Ende (ganz frei zitiert 😇) … haben wir schon mal in unserem Blog verwendet, trifft aber so wunderbar auf die letzten beiden Tage zu, dass es hier nochmals bemüht wird.

Wir sitzen in der wärmenden Sonne auf recht genau 3000 Metern über Meer und vor uns strahlt der Song Kul im wunderbaren Blau mit dem Himmel um die Wette. Auf unserer morgendlichen Wanderung zu einem der näheren Erhebungen, immerhin ein 3200 Meter hoher Berg 🙂, sind wir mit eisigen Wind durch den in der Nacht frisch gefallenen Schnee gestapft. Auf dem Gipfel strahlte dann die Sonne bereits mit Kraft und leckte die dünne Schneeschicht von den Wiesen des Hochtales. Die stürmische, eiskalte Nacht (-10°C) haben wir geschützt in unserer Jurte verbracht. Alle 5 waren wir dick in die Decken eingemummelt und darum bemüht, nicht das 30 Meter entfernte Toilettenhäuschen aufsuchen zu müssen. Unsere Jurte steht am Ufer des grandiosen Bergsees. Auf dem tragenden Holzscherengitter liegen dicke Filzmatten und der kleine Ofen, eingeheizt am Abend, sorgt beim Einschlafen für eine behagliche Wärme.

Die vorletzte Nacht verbrachten wir in einer sehr guten Berghütte, etwas abseits der Strasse zum 3100 Meter hohen … Pass. Alik hat uns die russische Art zu saunieren näher gebracht: Die Banja wurde mit Holz ordentlich eingeheizt und dann sorgten hohe Temperatur, hohe Luftfeuchte und ein grosser Bund mit Eichenblättern für ordentliches Schwitzen. Wir schafften 4 Saunagänge, inklusive dem Sprung ins mit Bergwasser gefüllte Becken.

Gestern ging es dann zuerst den Pass hinauf und dann eine recht schlechte Piste durch einen tiefen Canyon dem Ort Aral entgegen. Unterwegs, an einem Mausoleum eines furchtbar starken Kirgisen, trafen wir den radfahrenden Lasse, einen 18 jährigen Berliner auf dem Weg zum Song Kul. Ein sehr passender Ort … der Kirgise bezwang noch mit 60 Lebensjahren alle gegen ihn antretenden Kämpfer und konnte einen 600 kg schweren Stein stemmen. Und Lasse trotzt der schlechten Piste, den tiefen Temperaturen und dem noch über 100 km langen Weg bis zum See.

Um den Song Kul zu erreichen, muss eine bis zu 4000 Meter hohe Bergkette überwunden werden. Unser Fahrer, Anatoli ist auch ein Freund von rollender Planung und informierte sich fortlaufend über den Zustand der 4 Pisten, die zum See hinauf führen. Die naheliegendste Strecke war leider noch unpassierbar und zwang uns zu einem 100 Kilometer längeren Umweg. Kurz hinter Koshkor bogen wir von der Hauptstrecke auf eine 50 Kilometer lange raue Schotterpiste und schraubten uns langsam dem 3400 Meter hohen Pass entgegen. Das Wetter wurde immer schlechter, die Temperatur sank unter 0°C und der Schnee wurde stürmisch gegen den schwankenden Minibus gepeitscht. Langsam kämpfte sich unser Toyota die steile Serpentine mit schönen Tiefblicken durch Geröll, Schlamm, alten und frischen Schnee Höhenmeter um Höhenmeter nach oben. Kurz vor dem Pass stoppte Anatoli recht plötzlich. Einer der beiden Hinterreifen war geplatzt. Vermutlich fuhren wir schon eine Weile auf der nun qualmenden Felge. Mitten im Schneesturm wechselte Anatoli von uns umringt in weniger als 10 Minuten das Rad und unsere holprige Fahrt durch eine komplett weisse Wand und dem waagerecht stürmenden Schnee, zum Jurtencamp konnte weiter gehen.

Gegen 20 Uhr erreichten wir das Camp und eine dampfende Schüssel mit Suppe und 2 (kleinere) Flaschen Wodka warteten auf unseren Held Anatoli und uns. Langsam liess der Schneesturm nach – nur noch Wind ohne Schnee – und Mond und Wolken zauberten ein wunderbares Abendlicht über das Jurtencamp. Dick eingerollt in unsere Decken hörten wir dem Wind, der über die Jurte fegte zu und schliefen alle ausgesprochen gut, hier oben auf 3000 Metern, bei diesem grandiosen tiefblauen Song Kul … am Ende ist alles gut, und ein See.

Nachtrag: Wir befinden uns in der Vorsaison, touristisch gesehen, für Kirgisistan. Die Hauptreisesaison beginnt mit dem Juni … aber bei schönem Wetter kann jeder 🙂. Daher ist es am Song Kul sehr ruhig und einsam. Wir sehen rundherum noch andere Jurtencamps, die aber noch nicht eröffnet haben. Unsere sieben Jurten sind die derzeit einzig bewohnten am Seeufer. Unsere Mittagspause verbrachten wir allein, sonnend auf der Wiese im kalten Wind. Gerade als wir unseren obligatorischen Moshe Feldenkrais Kopfstand übten, rollte ein VW Bus mit weiteren deutschen Gästen ins Camp … eine badische Winzerfamilie, deren Tochter gerade ein Auslandsjahr in Kirgisistan verbringt und von den Eltern und Freund besucht wird. So genossen wir den Sonnenuntergang am Song Kul mit einem Becher badischen Rotwein in der Hand …

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