Auf dem Wasser

In den Ferien um 6 Uhr aufstehen? Geht super, wenn man bereits ein paar Tage mit Ausschlafen und ausführlichem Frühstück im Garten unter der Sonne Afrikas geniessen konnte. Somit waren wir bereit für Aktivitäten, die einen etwas früheren Start in den Tag erforderten.

Unseren vorletzten Tag am Kap nutzten wir für einen Ausflug, den wir bei unseren bisherigen Besuchen in Kapstadt nie schafften. Wir setzten mit einem grösseren Katamaran Schiff nach Robben Island über. Die Insel liegt gut 40 Fährminuten und knapp 15 Kilometer von der Waterfront von Kapstadt entfernt im Atlantik. 19 Jahre seines Lebens musste Nelson Mandela als Gefangener im dortigen Hochsicherheitsgefängnis verbringen, ehe er für weitere 8 Jahre auf dem Festland in Haft sass, unter anderem im grossen Gefängnis in unserer unmittelbaren Umgebung, Pollsmoor.

Die Überfahrt liess uns die fast unüberwindbare Barriere zwischen der Gefängnisinsel und dem Festland gut erfahren. Aus kleineren Wellen während der Hinfahrt wurden meterhohe Wellen beim Weg zurück, die unser Schiff ordentlich aufsteigen und wieder hinunter sausen liess. Ein Schwimmer muss sehr erfahren sein, um bei solchen Verhältnissen die Strecke von der Insel bis nach Kapstadt zu schwimmen. Jährlich findet an der „schmalsten“ Stelle zwischen Robben Island und dem Festland Strand ein Wettkampf statt … die Distanz beträgt dann „nur“ 8 Kilometer. Von den weissen Haien im Wasser haben wir bisher allerdings noch gar nicht berichtet …

Die Insel lässt sich im Rahmen einer halbtägigen geführten Tour besichtigen. Wir starteten zuerst mit einem Bus zu einer Inselrundfahrt, bei welcher ein Guide uns die politische Geschichte der Insel vermittelte … die ersten Europäer die die Insel betraten waren portugiesische Seefahrer, gefolgt von der niederländischen Ostindien Kompanie und dann den Briten. Die Insel diente als Lepra Kolonie, Quarantäne Station und als Gefängnis.

In der Zeit der Apartheid wurde die Insel ab Beginn der sechziger Jahre als Verbannungsort politisch aktiver Farbiger genutzt … weit weg vom politischen Zentrum Johannesburg und Pretoria,von Ihren Familien und dem Clan. Dann kam das Gefängnis für die politischen Führer des Widerstandes gegen die Apartheid hinzu. Politische Gefangene aus Südafrika, Namibia und den anderen angrenzenden Ländern waren hier inhaftiert. Meist lautete die Anklage auf Sabotage und die Haftdauer betrug 20 Jahre bis lebenslänglich.

Der Rechtsanwalt Nelson Mandela wurde als Führer des paramilitärischen Arms des ANC (Afrikanischer Volkskongress) zu einer lebenslänglichen Haftstrafe als Organisator von Sabotageakten und Terror verurteilt. 19 Jahre verbrachte er in einer Zelle von 2 auf 2 Meter. Eine dünne Filzmatte liegt immer noch auf dem blanken, harten Boden, ein kleiner Tisch mit einem Holzschemel davor und daneben in einer der Ecken steht der verbeulte Aborteimer. Die Zelle hat ein kleines vergittertes Fenster zum ummauerten, sonnenverbrannten Innenhof, der nur ein kleines Stück Himmel erkennen lässt. Die Zelle hat noch ein Fenster zum Gang, in welchem die Wärter unterwegs waren … keinerlei Privatsphäre in der kleinen Zelle, kleiner als die Boxen der Wachhunde, die wir zuvor besichtigt hatten. Gearbeitet wurde bei jedem Wetter in einem Steinbruch, 10 Stunden in der grellen Sonne ohne Sonnenschutz (oder einer Sonnenbrille) …

Durch das Gefängnis führt uns einer der letzten politischen Gefangenen der Insel. Der knapp 60 Jahre alte Mann war vom Beginn der 80ziger Jahre bis 1991 inhaftiert. Als einer der letzten Gefangenen verliess er die Insel dann, um Anfang der 2000er Jahre wieder zurück zukehren und seine Geschichte zu erzählen. Er spricht mit einer sehr lauten, militärischen Stimme. Lächelt nicht. Berichtet von seinem Block, mit 50 anderen Gefangenen in einem langen, kahlen Raum. Dann in der Küche … das etwas bessere Essen für die Coloured und der Brei für die Bantus. Der einzig mögliche Protest gegen die Wärter und die Regeln des Gefängnisses waren Hungerstreiks. Die Haftbedingungen waren sehr hart und darauf ausgelegt, die Inhaftierten dauerhaft zu brechen …

Unser Führer durch das Gefängnis spricht aber immer wieder, und dann mit einer deutlich weniger harten Stimme, vom neuen Südafrika. Einem Südafrika, in welchem Weisse und Schwarze Nachbarn sein können und gemeinsam in der gleichen Kneipe Abends sitzen können. Und das ist das Unglaubliche … die Inhaftierten kommen frei, Nelson Mandela steht in Kapstadt auf dem Balkon des Rathauses und spricht von Versöhnung. Wenn jemand ein würdiger Preisträger des Friedensnobelpreises ist, dann dieser Mann.

Das war ein wichtiger Ausflug, der noch lange nachwirken wird …

Und sonst noch … natürlich haben wir die letzten Tage am Kap noch ausführlich für touristische Highlights genutzt:

– Sonnenuntergang auf dem Signalhill mit spektakulären Blick auf den Tafelberg und die Stadt

– eine morgendliche Kajak Tour in der Bucht von Simonstown zum Bolders Beach und der dortigen Pinguin Kolonie

(Noch ein kleines Video dazu 😉:)

– ein sehr inspirierendes letztes Dinner im foxcroft

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