Warmes Tbilisi

Die Sonne glüht sehr über der Stadt. Als das Flugzeug langsam der Stadt entgegen sinkt, ruckelt es erst mächtig durch die Wolkendecke am Rande der Berge und dann verschluckt ein brauner Dunst aus warmer, staubiger Luft das Flugzeug. Die Dame am Einreiseschalter schaut nur flüchtig in den Reisepass, lächelt und entlässt uns per Knopfdruck durch eine elektrische Schranke in unser neues Reiseland: Georgien.

Die erste Verhandlung auf georgischen Boden verlieren wir und bezahlen dem Taxifahrer, der uns zu unserem Hostel bringt viel zu viel. Wir stehen mit unseren Taschen vor einem über und über mit Graffiti besprühten, modernistischen Fabrikgebäude. Über dem Eingang befindet sich ein riesiges Stein-Fries, wie es auch öffentliche Gebäude in unserer ehemaligen Heimat, der DDR, mit sozialistischem Realismus „schmückte“. Das Hostel trägt den treffenden Namen „fabrika“ und ist ein Hotspot im alternativen Tbilisi. Bunt, jung und laut. Das Zimmer ist spartanisch aber zweckmässig und leider zum lauten, sehr belebten Hinterhof mit den Szenekneipen gelegen. Somit entweder mitfeiern oder die bereitliegenden Ohrstöpsel nutzen.

Inzwischen erleben wir schon zwei Tage lang die georgische Hauptstadt. Mit zwei etwas längeren „Spaziergängen“ haben wir die Route des „hop on hop off“ Busses um ein vielfaches abgelaufen und die geographischen Eigenheiten der Stadt spüren können … sommerlich heiss und sehr bergig. Die Stadt ist Europa und kaum Asien. Die Hochhäuser könnten auch in Marzahn am Rande von Berlin stehen. Das Viertel um unsere Unterkunft herum ist alternativer und bunter als Kreuzberg. Die Kirchen sehen anders aus. Klobig, trutzig, auf einer nahezu quadratischer Grundfläche (georgisches Kreuz) erhebt sich der Kirchenbau nach oben und trägt in der Mitte des Gebäudes einen kurzen Turm. Aber wir haben bisher noch keine der Kirchen von innen sehen können, nur den starken Geruch von Weihrauch in die Nase bekommen, wenn wir an einer der offenen Pforten vorbei gehen.

Ein anderer Duft hat uns dafür sofort gefangen genommen. Der Geruch von frischem, noch warmem, knusprigen Brot, dass gerade den Ofen verlassen hat und in einem Holzregal darauf wartet für recht wenig Geld gekauft zu werden. Gestärkt von trockenem Brot, sofort gegessen in einem der kleinen Stadtparks spazieren wir weiter durch die Strassen von Tbilisi. Die Architektur der Gebäude am Rand der breiten Strassen und schmaleren Gassen ist europäisch, erinnert oft an die Strassenzüge von Moskau … im Stil der letzten Zahrenjahre, bzw. dem Zuckerbäckerstil aus der Stalin Ära. Anders, für unser Auge ungewohnt sind die vielen Holzveranden, die die Häuser zieren. Viele der mit Schnitzereien versehenen Holzbalkone verfallen und kleben windschief an den alten Wänden. Katzen schleichen über die heissen Pflastersteine und Hunde dösen träge im Schatten alter Bäume.

Zurück zur Überschrift. Unsere schlauer Reiseführer verrät, das der Name Tbilisi auf die „warmen Quellen“ in der Stadt verweist … und nicht das sommerliche Klima meint. Das werden wir aber erst morgen erfahren, wenn wir eines der Badehäuser besuchen und in warmes, schwefelhaltiges Wasser eintauchen werden.

2 Gedanken zu “Warmes Tbilisi

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