I.O. und Stalinstadt

Vom Kazbegi ging es nach Gori, die Geburtsstadt Stalins.

Das Autofahren in Georgien ist eine Klasse für sich: von allen Seiten wird überholt, gehupt und wenn es sein muss, passen auch vier Wagen auf die nicht begrenzte Fahrbahn. Von den Schlaglöchern, die mal mehr mal weniger, aber immer überraschend auftauchen ganz zu schweigen. Rücksichtsvolles Fahren geht zwar anders, dafür denken die meisten Georgier mit, sind umsichtig und fädeln sich elegant in jede kleine Lücke. „Mitschwimmen“ ist angesagt, und so sind wir bisher gut und unfallfrei weitergekommen. Zu Recht trägt unser alter Mitsubishi Pajero iO seinen Namen: wir haben ihn „In Ordnung“ getauft 😉

Zudem sind Fernverkehrsstrassen Viehweide, Dorfplatz und Supermarkt. Immer wieder queren Kühe, Esel, Schweine oder grosse Hunde gemächlich die Strasse oder liegen unter schattenspendenden Bäumen mitten auf dem Fahrweg. Sehr angenehm sind die duftenden Brot- und Obststände. Wir fahren mit herunter gelassenen Scheiben, da die Sonne so drückt. So haben wir den Duft von ofenfrischem Brot und süssen, reifen Erdbeeren sofort in der Nase und stoppen mit „quietschenden“ Reifen am Strassenrand …

Im kleinen Gästehaus in Gori wurden wir freundlich empfangen. Sogar mit den Nachbarn kamen wir ins Gespräch und so langsam spüren wir, angekommen zu sein, bei den Menschen hier und bei uns selbst im Runter-Fahr-Modus. Wir blicken von der Mauer der alten Festung Gori auf die beleuchtete Stadt und wandern durch die menschenleeren Gassen der gerade renovierten Altstadt. Conny bekommt dabei einen Haargummi geschenkt 😉 …

Jeder hat seine Wahrheit … Das erkannten wir einmal mehr im Stalin Museum. Ja, es gibt tatsächlich ein eigenes Gebäude, eher ein Palast, welches diesem Diktator und Menschenfeind gewidmet ist. Die kleine Hütte, in der Stalin als Iosseb Bessarionis dse Dschughaschwili auf die Welt kam, wurde schreinartig, mit wuchtigen, antik anmutenden Säulen eingefasst und steht nun unmittelbar vor dem grosszügigen Museumsgebäude. Ausserdem kann man den Eisenbahnwaggon besichtigen, mit dem Stalin an die Konferenz nach Jalta fuhr. Die Ausstellung stellt einen gütigen Stalin in den Mittelpunkt, der sich gern mit Kindern umgab, einen Revolutionär und einen gestandenen Politiker, der sich natürlich gern zu allen politischen Grössen seiner Zeit gesellte. Uns befremdete diese unreflektierte Sicht auf einen Massenmörder sehr. Die Geschichte braucht wohl noch andere Zeiten, um aufgearbeitet zu werden. Wir mussten darüber nachdenken was wäre, wenn in Braunau ein Museum für Adolf Hitler stehen würde …

Gut, dass wir nun weiter nach Westen fahren, um uns die wundervolle Landschaft Georgiens anzuschauen. Die Legende besagt, dass die Georgier am Feiern waren, als Gott die Erde unter den Menschen aufteilte. Und als die Georgier dann vor Gott traten, war nur noch das Stückchen Land übrig, dass Gott für sich zurückbehalten hatte. So bekamen die Georgier diesen schönen Flecken Erde! Vermutlich bauen sie deshalb seit fast 2000 Jahren so viele Kirchen …

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