Uschba

Wie ein riesiger Grabstein ragt der Berg vor uns auf. Noch verdecken Wolken seine ganze Pracht, aber dieser Klotz von Berg ist wahrhaftig „schrecklich“ … so sein übersetzter Name: Uschba – Der Schreckliche! Unvorstellbar, dass sich dort hinauf Alpinisten wagen. Schroffe Felsen streben einem Wind umtosenden schmalen Gipfelgrat entgegen. Vereist und lebensfeindlich erhebt sich die fast quadratische Gipfelplatte aus dem Bergmassiv. Bisher sehen wir nur das höhere Haupt des Zwillingsgipfels … die 100 Meter weniger hohe Doppelspitze ist immer noch in dicke weisse Wolken eingehüllt. Der Kaukasus bietet eine Vielzahl an Gipfeln zum nicht satt Sehen.

Lohnenswert wäre eine Gipfelbesteigung schon 😉 … der Aussicht wegen. Diese verstellt uns der „Schreckliche“. Hinter dem Massiv des Uschba (4800 Meterchen hoch) erhebt sich auf russischer Seite der höchste Berg des Kaukasus, oder je nach Interpretation der Kontinent-Grenzen, der höchste Gipfel Europas … in Luftlinie ist der Elbrus (5600 Meter mächtig) nur 20 Kilometer von unserem Standort entfernt.

Wir haben uns in unserem Wanderführer eine leichte Wanderung ausgesucht … jedenfalls war das der Plan. Von unserem sehr schönen, einfachen Gästehaus in Becho sind wir kurz nach 7 nach einem stärkenden Frühstück mit Haferschleim gestartet und folgen beharrlich dem Flusslauf immer stets moderat bergansteigend. Allerdings passen Beschreibung im Wanderführer nicht zur bisher gelaufenen Strecke. Wir durchwaten barfüssig einen eiskalten Flusslauf und noch einen … der dritte sprudelnde Bach über unseren Wanderweg lässt uns dann stoppen. So eine wichtige Information (drei Nebenflussläufe müssen ohne Brücke durchwatet werden) hätte die verlässliche Autorin garantiert in ihrem Wanderführer beschrieben.

Also drehen wir um, durchwaten die beiden eiskalten Flüsse ein zweites Mal und suchen einen Orientierungspunkt. Der Start der Wanderung erfolgt beim „Grand Uschba Hotel“ … toller Name für ein recht einfaches Gästehaus. Nachdem wir dieses gefunden haben, stimmen plötzlich auch alle Angaben im Wanderführer. Dumm nur, dass wir bis hierher schon 7 Kilometer plus „Verhauer“ gewandert sind und diese später auch wieder zurück zu unserem Gästehaus gelaufen werden müssen.

Hochmotiviert 😂 ziehen wir weiter dem Uschba, einem Wasserfall und dem Gletscher entgegen. Aus dem allmählichen Anstieg wird bald ein sehr ruppig, steil aufstrebender Pfad, der über wacklige Holzbrücken Nebenflussläufe und den steil hinab stürzenden Hauptstrom führt. Vorbei an georgischen Grenzposten, die uns unkontrolliert passieren lassen, klettern wir die letzten 200 Höhenmeter hinauf und geniessen den Blick zum Wasserfall, dem wolkenverhangenen Uschba und ins weit entfernte Becho … an dessem Talende unser Quartier nicht erkennbar ist.

Am Abend schmerzen unsere Füsse von 30 Kilometer strenger Wanderung, statt den erwarteten 16 Kilometern. Das Abendessen, zubereitet von der Tochter Bella unserer Gastfamilie schmeckt wunderbar und der starke Regen hat uns erst auf den letzten 100 Metern vor dem Gästehaus „Carpediem“ erwischt …

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