Bis zur letzten Zeile des Abspanns des gerade gesehenen Films blicken wir auf die improvisierte Leinwand. Wir sitzen in Mestia im Keller eines kleinen Cafés und haben gerade einen bildgewaltigen Film der georgischen Regisseurin Mariam Khatchvani sehen können. „Dede“ wurde in dem 50 Kilometer entfernten Ushguli gedreht. Eine der mitspielenden Schauspielerinen sitzt rauchend oben im Café. Gerade noch spielte sie eine junge Frau, Lehrerin und wurde im Vorgarten der Schule von 2 Männern in ein Auto gezerrt und geraubt. Ihre Mutter tröstet ihre weinende Tochter zwar … aber auch sie ist davon überzeugt, der sie raubende Mann ist zu heiraten. Das ist das Gesetz der Tradition in den rauen Bergen Swanetien. 

Hauptperson des Films ist die junge Frau Dina. Die Handlung spielt in Georgien im Jahre 1992 nach einer militärischen Auseinandersetzung. Zu Beginn des Filmes kehren die jungen swanetischen Männer aus dem Krieg zurück in die Berge. Dina lebt in einem kleinen Dorf hoch in den Bergen, wo die Traditionen und Brauchtümer nahezu unbeschadet dem Lauf der Zeit widerstanden haben. Doch Dina will sich nicht dem Willen der Alten unterwerfen und und weigert sich, den Mann zu heiraten, den ihr Großvater für sie ausgesucht hat — eine Entscheidung, für die sie einen hohen Preis wird zahlen müssen. (Trailer zum Film hier)

Der Kinobesuch ist ein wunderbarer Abschluss unseres beschwerlichen Tages. Rumpelnd haben wir uns eine sehr raue Piste von Mestia hinauf nach Ushguli und am Nachmittag wieder hinuter von 2200 Meter auf 1400 Meter nach Mestia gekämpft. Die Piste ist schmal, oft einem steilen Berghang gerade so abgerungen und mit tiefen Löchern überseht. Zu unserem Glück regnet es auf dem Rückweg nur leicht. so dass die Rutschpartien im Schlamm des Weges beherrschbar sind … ein echtes off-road Schmankerl, der Weg in dieses in der Zeit stehen gebliebene Bergdorf.

Anders als in Mestia wirkt der Ort archaisch, aus der Zeit gefallen. Die Wehrtürme erheben sich aus halb verfallenen Häuserzeilen, deren Dächer meist noch mit Steinplatten gedeckt sind und nicht mit praktisch, modernem Wellblech. Der grosse Opferkessel neben der Kirche wurde noch in den letzten Tagen genutzt um die Opferlämmer zu kochen. Kleine Ferkel stieben quiekend auseinander und ein Hirtenhund kommt stolz mit einem Schafsbein im Maul an uns vorbei gelaufen. Und genau diesen Geist des Dorfes fängt der Film wunderbar ein und gibt einige Antworten auf unsere Fragen, mit denen wir durch Ushguli gewandert sind.

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