Die drittgefährlichste Strasse der Welt *

* sagt zumindest die BBC 😉

Unsere Hände sind schweissnass. Ein wenig von der Angst und zum anderen Teil vom Festkrallen an allen festen Teilen des schwankenden Minibusses. Auf der einen Seite geht es unaufhörlich den Berghang hinauf und auf der anderen Seite fällt die steile Wand 1000 Meter ab, ohne den Blick auf den Ausgangspunkt unserer Passfahrt frei zu geben. Bis in die Tiefebenen Kachetien sind es nochmals 1000 nervenaufreibende Meter abwärts. Die Fahrt durch die bewaldeten Schluchten war schon schlimm, aber jetzt klettert das Auto an kahlen Hängen, dem knapp 3000 Meter hohen Abano Pass entgegen.

Gerade noch haben wir uns in Telavi pudelwohl gefühlt. Die schöne Stadt liegt am Rande des nördlichen Teils des Kaukasus und von der leicht erhöhten Lage unseres Hotels haben wir einen grandiosen Blick hinab in die kachetische Weinebene. Unter uns liegt ein Garten Eden. Eine alte, tausendjährige Platane will von 11 Menschen umarmt werden. Die Gemüsegärten und die sanft geschwungenen Weinberge machen die Landschaft bunt. Eingerahmt von den Ausläufern des nahen Gebirges. Die Festung ist persisch, der Markt gross und farbenfroh, viele Holzbalkone der Häuser in der Altstadt sind saniert und in leuchtenden Farben gestrichen und das Essen georgisch lecker. Ein Ort zum eigentlich länger verweilen.

Auf uns wartet aber unser Minibus und der Transfer in eine der abgelegensten Regionen Georgiens. Wir wollen heute noch vor dem Gewitter die 100 Kilometer bis nach Tuschetien fahren und dabei den höchsten, befahrbaren Pass des Kaukasus überwinden.

Wir werden von Omalo zu einem fünftägigen Trekking starten und nach 100 Kilometer und der Überschreitung eines weiteren Passes (dann allerdings 3600 Meter hoch) in Khevsuretien in einem weiteren abgelegenen Gebiet des Kaukasus ankommen. Daher haben wir unseren Mietjeep bereits in Tbilisi wieder abgegeben, mit einem Taxi Telavi erreicht und werden nun von Giorgi (dem Inhaber der Reiseagentur enjoy georgia) sicher den Berg hinauf chauffiert. Mit uns im Minibus sitzt Gigi, unser Bergführer in den nächsten Tagen, und alle freien Ecken sind mit unserem Proviant und sonstigen Equipment für unsere Wanderung vollgestopft.

Die Fahrt beginnt sehr gemütlich. Im letzten Dorf vor dem „nur noch“ 60 Kilometer entfernten Pass bunkern wir frisches, warmes, herrlich duftendes Brot. Am Ortsrand endet die asphaltierte Strasse und zuerst sanft einem wild, sprudelnden Bergfluss folgend gewinnen wir langsam an Höhe. Inzwischen fliesst der Fluss in eine 100 Meter tiefen, steilen Schlucht. Vor uns auf der schmalen Schotterpiste geht es nicht mehr weiter. Ein kleiner Stau von ca. 10 geländegängigen Minibussen und Jeeps, plus einem klapprigen VW Golf, hat sich gebildet. Ein durch Regenfall ausgelöster Erdrutsch in der gestrigen Nacht hat die abenteuerlich angelegten Serpentine Piste, die eine ca. 100 Meter hohe Steilstufe überwindet, komplett verschüttet. Ein Bagger und eine Planierwalze bemühen sich knapp eine Stunde lang vor uns den Pfad für die Fahrzeuge frei zu räumen.

Plötzlich streben alle wieder ihren Fahrzeugen entgegen und langsam tastet sich Giorgi mit unserem Bus den Hang hinauf. Mit zunehmender Höhe verschwindet allmählich der uns bisher umgebende, dichte Wald und die nervenaufreibenden Tiefblicke nehmen zu. Auf den letzten 900 Höhenmetern kämpft sich unser Minibus mit seinen Insassen durch enge Kehren, einen stetig steiler und enger werdenden schlechten Wanderpfad dem Pass entgegen. Wolken verhüllen den Blick hinab in den Abgrund. Nach 4 Stunden sind wir knapp 80 Kilometer von Telavi entfernt und recht glücklich oben auf dem Pass.

Die Fahrt in das auf 1800 Meter über Meer gelegene Omalo ist da nur noch ein Klax …

… und hier das Zeitraffer Video der Fahrt:

Ein Gedanke zu “Die drittgefährlichste Strasse der Welt *

  1. Hallo ihr Beiden!
    Jetzt habe ich nach meiner Finnland-Schweden Veloreise Euren Georgien-Blog genossen und dabei fast ein wenig Heimweh nach Georgien bekommen. Tbilissi, Batumi, den Goderzi-Pass (allerdings in umgekehrter Richtung und auf dem Velo), die Strasse nach Omalo hinüber, … alles Erinnerungen an meine Schwarzmeer-Tour 2011 und das Georgien-Trekking 1999, wie wenn ich eben erst dort gewesen wäre. Ich bin gespannt, wie es ab Omalo weitergeht (für mich damals westwärts nach Shatili und Stepanzminda) .
    Geniesst weiterhin dieses vielseitige Land!
    (für mich fehlt im Blog nur noch der polyphone georgische Gesang)
    Peter

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