Trial and error … Versuch und Fehler

Jeder kennt diese Methode, einfach ausprobieren und, ganz wichtig, aus den gemachten Fehlern lernen. Genau so einen Lernprozess machen wir mit unserem Wohnmobil durch.
Versuch/Fehler 1! Zu unserem letzten Frühstück oberhalb der Salwideli Alp bekommen wir einen Gast. Ein wirklich freundlicher Herr mit seinem geländegängigen Wagen stoppt neben unserem Wild Camping Platz und weist uns darauf hin, dass das was wir hier machen a) eigentlich nicht so richtig erlaubt ist und b) mindestens die Kurtaxe unten in Sörenberg zu entrichten ist. Das Bezahlen der Kurtaxe ist das kleinere Problem … die sich verkomplizierenden Aussichten für Übernachtungsplätze in den nächsten Tagen das weitaus grössere.
Unser heutiger Plan ist eine gemütliche Tour durch das Emmental in Richtung Affoltern im Emmental. Da hat es eine Schaukäserei und einen tollen Stellplatz für unsere beiden Camper etwas ausserhalb des Ortes bei einem Bauernhof. Zumindest sind der Name „blueberries field“ und die in der App geposteten Bilder sehr vielversprechend. Unser Weg durch das Emmental führt uns durch kleine Orte mit grossen, trutzigen Bauernhöfen. Die wuchtigen Dächer sind tief nach unten gezogen und schützen so die alten Holzhäuser schon seit Generationen vor der Witterung. Bunte Blumenkästen schmücken die kleinen Fenster. Viel besser als wir konnte diese Landschaft Jeremias Gotthelf beschreiben. Wir durften früher in der Schule seine Novelle „Die Schwarze Spinne“ lesen … nun fahren wir an Sumiswald vorbei durch die Gegend, in welcher die Handlung spielt und der Schriftsteller den grössten Teil seines Lebens verbrachte. Ein weiterer Ortsname lösst bei uns sehr angenehme Erinnerungen aus. Wir passieren das Ortseingangsschild von Trubschachen und stutzen kurz. Irgendetwas war hier. Nur wenige Meter weiter sehen wir das Fabrik Gelände der Firma Kambly … dem Emmentaler Kekslieferanten.
Zu unserer grossen Freude hat der Werksverkauf geöffnet und wir dürfen uns im neu eingerichteten Kambly Shop für die nächsten Tage mit Süsskram jeder Art eindecken. Ein guter Kollege von uns, Thomas, leitet die Logistik der Firma. Kollege trifft hier sowohl im Schweizer Wortsinn … ein guter Freund, wie auch im schriftdeutschen Sprachgebrauch … ein (ehemaliger) Arbeitskollege voll zu. Sehr spontan findet Thomas die Zeit für ein physisch distanziertes Schwätzchen … kann uns aber leider nicht mit in die Fabrik nehmen. Schade, wir hätten gern gesehen, wie die leckeren Plätzchen und hauchdünnen Brezeln gefertigt und mit der köstlichen Milchschokolade aus einer nie versiegenden Leitung verziert werden. Nach einem kurzen Stopp bei der Emmentaler Schaukäserei Affoltern fahren wir eine immer schmaler werdende Strasse unserem Stellplatz entgegen. Dachten wir zumindest. Bereits an der Einfahrt zum Hof steht ein provisorisches Schild, dass der Stellplatz geschlossen ist. Wir halten trotzdem und fragen auf dem Hof nach. Die nette Bäuerin erklärt uns, dass leider heute früh die Polizei bei ihr vorbei gekommen ist und sie darauf hingewiesen haben, dass gemäss den bundesrätlichen Corona Verfügungen Campen (auch auf einem Stellplatz) nicht erlaubt ist. Trübe Aussichten für uns. Der nächste Stellplatz, den wir in Huttwil anfahren ist mit Plastik-Bändern ebenfalls abgesperrt. Unser nächster Versuch führt uns über sehr abenteuerliche Wege hinauf ins Napfgebiet. Die App zeigte uns unterhalb des Ahorn, einer Erhebung von immerhin 1200 Metern, einen sehr idyllischen Platz zum Wildcampen an.
Das erste, was wir an unserem Stellplatz auspacken, ist unser Salat im Topf 😉
Wir haben Glück. Zwar stehen bereits ein paar Camper auf dem längeren Bergrücken, aber für unsere beiden Wohnmobile findet sich ausreichend Platz. Während unser Abendessen auf dem Grill liegt, versinkt die Sonne spektakulär und taucht das wellige Hügelland des Emmentals in ein wunderbar goldenes Licht.
Wir lernen, dass das Finden eines Stellplatzes für unsere Wohnmobile eine Herausforderung werden kann. Aber wir die Chance haben, tolle neue Plätze zu finden, wenn wir weiter rollen und probieren … Versuch/Fehler 2 Schon immer wollte ich, Jörg, ein Foto der Milchstrasse selbst aufnehmen. Schon oft durfte ich an wirklich dunklen Plätzen auf unserem Planet die Milchstrasse über unserem Zelt oder der Jurte mit staunenden Augen betrachten … aber ein Foto hatte ich bisher noch nie davon gemacht. Inzwischen habe ich mich in das Thema eingelesen und dachte zumindest, dass ich es beherrsche. Zum einen passt gerade der Zeitpunkt. Wir haben Neumond … der helle Mond stört zumindest einmal nicht. Dann stehen wir mit unseren Wohnmobilen an dunklen Plätzen ohne störende Lichtverschmutzung und die Milchstrasse ist ab 1 Uhr in der Nacht gut sichtbar.
Meinen ersten Versuch startete ich bereits oberhalb Sörenbergs. Allerdings bin ich mit dem Ergebnis nicht zufrieden gewesen. Irgendetwas habe ich da bei ISO und Belichtungszeit noch nicht so richtig im Griff gehabt. Ich starte heute Nacht hier auf unserer Wiese oberhalb Eriswil einen zweiten Versuch. Erster wichtiger Schritt … Motivauswahl bei Tageslicht treffen, Kamera und Stativ vor der Dunkelheit einrichten 🙂 … macht es dann viel einfacher, wenn Du gegen 2 Uhr aus deinem warmen Bett kriechen musst und eigentlich schnell wieder dahin zurück willst.
… so sah es gegen 21 Uhr aus …
… und so in der Nacht um 2 Uhr.
Gegen 3 Uhr schlafe ich sehr zufrieden mit mir wieder ein … Projekt Milchstrassenbild erledigt. Ich weiss nun, wie es funktioniert und habe bereits nächste Motive fest vor Augen! Zum Schluss meine Bildausbeute dieser Nacht zum Geniessen.

7 Gedanken zu “Trial and error … Versuch und Fehler

  1. Meeeegaaaaaa Fotos!
    Das drittletzte gefällt mir am besten.
    Und ich ärgere mich, nachts nicht mit dir aus dem Bett gekrabbelt zu sein…

    LG Maike

  2. Sehr schöne Nachtfotos, aber wo ist das Bild vom „Salat im Topf“? Oder die Geschichte dazu? Neugierige Grüße von Martin

    1. Danke, lieber Martin … der Salat in seinem Topf (steht am Vorderrad des Wohnmobils) sollte schön frisch bleiben … daher im Topf und immer als erstes nach draussen gestellt … tatsächlich hat er die Ferien überlebt (ungeheissen) und schmückt jetzt unseren Balkon 😊

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