Creux du Van

Das Radio plärrt seichte Popmusik über den Morgensonnen erwärmten Schotterplatz. Die Tür eines etwas älteren Wohnmobils steht weit offen und der Besitzer des Gefährts frühstückt mit lauter Radiomusik, Morgenkaffee und Zeitung im Campingstuhl. Der Bewohner eines benachbarten Zürcher Campers schlussfolgert aufgrund des Nummernschilds am etwas vergilbten Wohnmobil mit den beiden Anfangsbuchstaben „VD“ detektivisch treffsicher auf einen frankophonen Störenfried und holt zum Rundumschlag über laute Musik, Schuld an Corona und überhaupt die Romandie aus … Zeit für Popkorn und amüsiertes Beobachten des aufbrechenden „Röstigrabens“ aus dem eigenen Klappstuhl heraus. Ist das das berühmt berüchtigte Camperleben?

Wir stehen mit unseren fahrbaren Behausungen nur gut 500 Meter von der beeindruckenden Creux du Van Schlucht entfernt auf einem grösseren Schotterparkplatz mit sehr sehr vielen anderen Campern. Und wir erleben das erste mal einen Campingplatz. Zwar stehen wir hier alle mehr oder wenig illegal und ohne die Infrastruktur eines Campingplatzes, dafür aber genauso dichtgedrängt. Als wir gestern Abend gegen 18 Uhr den Parkplatz des Alp Restaurants Le Soliat erreichten, waren bereits fast alle Möglichkeiten zum Abstellen der Wohnmobile belegt. Ausser diese beiden Plätze neben einem Zürcher Landrover mit Wohnkabine. Störend waren nur die breit verteilt aufgestellten Campingmöbel auf der idealen Parklücke. Da wir ja kommunikationsstarke Menschen sind suchten wir das Gespräch und wurden aufgeklärt, dass hier noch Mitcamper zu späterer Stunde erwartet werden und wir uns unmöglich hier hinstellen können. Wie war das noch mit der uns „Deutschen“ angetragenen „Badetuch auf Stühle legen“ Legende? Glücklicherweise können wir einen Luzerner überzeugen, sein Auto etwas umzuparken und schon können wir zwar dicht gedrängt, aber zusammen stehen und den genialen, von der Sonne dramatisch kolorierten Abend hoch oben im Jura geniessen.

Ich nutze die Zeit nach dem Abendessen noch um am Rand der Schlucht der Sonne beim Untergehen zuzusehen. Mein Plan war es, solange zu warten, bis es ordentlich dunkel ist um ein Bild mit Schlucht und Milchstrasse machen zu können. Allerdings steht die Milchstrasse zu ungünstig für das perfekte Bild und es wird mit der einsetzenden Dämmerung empfindlich kalt. Ich beneide und bewundere die recht zahlreichen Grüppchen, die sich am Rand der Schlucht einen Biwak einrichten und draussen die Nacht verbringen werden. Meinen inneren Kampf gewinnt aber das warme, weiche Camperbett 😉.

Der morgendliche Streit zwischen Zürich und dem Waadt eskalierte glücklicherweise nicht allzu sehr und wir wandern gut gestärkt immer am Rand der Schlucht entlang. Da wir heute in der Schweiz einen Feiertag begehen, sind viele Menschen unterwegs und erst etwas abseits der Schlucht können wir auf einem kleinen Pfad etwas für uns wandern. Aber tolle Fotos konnten wir trotz der Menschenmassen machen 🙂 …

Unser Entschluss stand ja sowieso bereits fest, dass wir die letzte Nacht vor der Rückgabe unseres Campers in der Nähe von Sursee verbringen werden. Die vielen Wohnmobile, die nun auch der schmalen Zufahrtsstrasse entlang parken, bestärken unseren Entschluss … wir wollen wieder „einsamer“ stehen. Sofort fällt unsere Wahl auf diesen Platz oberhalb von Huttwil in der Nähe des Ahorns im Napfgebiet.

Als wir uns dem Platz nähern jubeln wir innerlich … kein anderer Camper steht auf der Anhöhe. 2 Minuten später wissen wir auch warum: Die Zufahrt ist mit einem rot-weissen Flatterband der Militärpolizei gesperrt. Scheinbar ist unser Stellplatz von vor 3 Nächten militärisches Gebiet und irgendwer hat das Militär auf die dort wild stehenden Camper hingewiesen. Corona Pech!

Ahorn Alp

Ein Telefongespräch später können wir wieder lächeln. Die Camper App zeigte an, dass auch auf dem Parkplatz vor dem Restaurant Ahorn Alp „wild“ kampiert werden kann. Die junge Wirtsfamilie ist selbst Camper, sehr freundlich und lässt uns am Rand des Parkplatzes für eine Nacht stehen. Und der Platz ist mindestens genauso genial wie der Militärparkplatz 100 Höhenmeter tiefer unter uns. Wir grillen uns das letzte Menü, „vernichten“ beim Sonnenuntergang die letzten Reste in der Gin Flasche und geniessen das stillere Camper Leben hier. Krönender Abschluss des Abends ist ein Solo Alphorn Konzert mit der untergehenden Sonne im Rücken.

Alphornkonzert zur Blauen Stunde
Der Camper wäre etwas für uns … und nachdem wir freundlich gefragt haben bekommen wir von den Besitzern eine „roomtour“ …

Kaum eine Wolke am tiefblauen Himmel. Ich stelle mir wieder den Wecker auf 2 Uhr, schlüpfe mit dicker Daunenjacke nach draussen und wandere einen kleine Anhang hinauf, den ich bereits am Abend ausgekundschaftet hatte. Über mir funkeln Millionen Sterne und die Milchstrasse zeichnet sich deutlich ab. Überwältigend!

Schon in der Abendsonne sehr schön …
… atemberaubend mitten in der Nacht.

So richtig finde ich nach diesem spektakulären Anblick nicht mehr in den Schlaf. Kurz vor 5 Uhr beobachte ich aus dem Seitenfenster des Wohnmobils, dass die Sonne langsam im Osten zum Vorschein kommt. Also schlüpfe ich wieder in die warme Jacke und wandere im Morgenlicht über das Plateau. Die Sonne beleuchtet warm die Wiesen und sanften Hügel, die Vögel zwitschern munter und das Geläut der Kuhglocken begrüsst den neuen Tag … etwas wehmütig muss ich daran denken, dass dies unsere letzte Nacht im Camper war, oder? (Fortsetzung folgt …)

PS … Teilen ist toll!

4 Gedanken zu “Creux du Van

  1. Meeeeegaaaaa schöne Fotos!
    Ich glaube wir machen ab jetzt immer Urlaub mit euch beiden dann kann ich meine Kamera zukünftig Zuhause lassen 😜

  2. Wie immer ein toller Bericht! Schade, dass ich die phantastischen Bilder nur im Bericht und nicht als Foto-Schau betrachten kann. Ich freue mich trotzdem auf Eure weiteren Entdeckungsfahrten

  3. Danke für den Bericht und vor allem für die tollen Fotos! Nur schade, dass man sie nicht gleich als Foto-Schau ansehen kann.
    Ich freue mich jedenfalls auf Eure weiteren Entdeckungsfahrten

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