… an den Pazifik!

Kaum sitzen wir im Taxi, schon beginnt wieder das Sortieren. Kreuzberg, oder eher Istanbul? Bunt ist es vor dem Taxifenster und schmutziger als in Santiago. Würde auf Kreuzberg passen … aber über uns kreisen kreischende Möwen und gerade am Busterminal von Valparaiso hatten wir ganz deutlich den Geruch des Meeres in der Nase. Spätestens als wir enge, kurvige und steile Strassen nach oben klettern, haben wir eingeordnet: eher Istanbul!

Das Hierherkommen war angenehm einfach. Entspannt sind wir in den Tag gestartet, haben einen letzten guten Kaffee in unserem Barrio (Viertel) in Santiago genossen und das beeindruckende Gebäude des Kulturzentrum GAM kurz besichtigt.

Hier ist ein kleiner Einschub notwendig. Chiles jüngere Geschichte ist in Santiago gut erfahrbar – wenn man es sehen will. Das gerade erwähnte GAM wurde zur Präsidentenzeit von Salvador Allende als Tagungsort einer UNO Konferenz erbaut und anschliessend als Kulturort genutzt. Bis die Militärjunta von Pinochet in diesem Gebäude ihr Hauptquartier unterbrachte. Das Barrio „Paris -Lourdes“ ist malerisch … aber in einem der Gebäude befand sich die erste Folterzentrale der berüchtigten Geheimpolizei und vor dem Gebäude „stolpert“ man über Pflastersteine mit den Namen verschwundener, ermordeter junger Menschen.

Paris-Lourdes

Das Neruda Haus ist unbedingt besuchenswert. Aber man muss hier daran denken, dass nach dem Putsch im September 1973 Neruda recht plötzlich starb, seine Beerdigung die erste mächtige Demonstration gegen das Regime war und vermutlich auch deswegen sein Haus von Soldaten verwüstet wurde.

… eine von mindestens 3 Hausbars in Nerudas Haus 🙂

Zurück zum Reisen. Der Haupt-Busterminal von Santiago liegt sehr zentral. Mit der modernen und sauberen Metro können wir recht bequem bis zum Hauptbahnhof reisen. Dieser ist eine mächtige Stahlkonstruktion aus dem 19. Jahrhundert und riesigen Planen verschatten das Innere des Gebäudes. Leider wird die bestehende Zugstrecke nach Valparaiso nicht genutzt und somit ziehen wir mit unseren Taschen weiter bis wir den sehr geschäftigen Busbahnhof erreichen. Tausende Menschen mit bunten, grossen Nylontaschen (teilweise Schrankgross) strömen in oder vom Gelände. Lange Menschenschlangen stehen vor den Schaltern, in denen die Bustickets der verschiedenen Busunternehmen erworben werden können.

Wir hatten uns bereits gestern durch die spanischsprachige Internetseite von „Pullman“ gekämpft, zwei Online Tickets gebucht und marschieren nun direkt zum Perron von Pullman Bus und hoffen, dass unser Ticket korrekt von uns gelöst wurde. Im Minutentakt starten Busse zu (noch) exotisch klingenden Destinationen. Immer neue Busse fahren auf das grosse Gelände. Moderne und andere … wir hoffen auf einen modernen Bus und haben Glück. Unser vertrauenserweckend aussehender Bus stösst langsam zum Perron 8 hinein und ein Herr mit stark gegelten Haaren, weissem Hemd und Schlips öffnet zischend die Vordertür.

Die Abfertigung erfolgt fast professioneller als auf manchem Flughafen. Ein Mitarbeiter der Busgesellschaft kontrolliert unsere Tickets, beklebt das Gepäck mit einem Transportaufkleber und lässt die Taschen im Rachen des Busses verschwinden. Der Bus ist gut klimatisiert und die Sitze angenehm weich. Pünktlich um 13:15 Uhr rollt der Bus halbvoll vom Gelände und aus der Stadt. Der Busfahrer chauffiert sein Gefährt recht entspannt durch den Grossstadtverkehr von Santiago und dann über eine Schnellstrasse durch Agrarland. Wir sehen erste Weinreben links und rechts der Strasse dem Pazifik entgegen.

Nachdem wir fast 2 Stunden etwas eintönige braune Landschaft durchfahren sind wird es wieder urbaner. Die Strasse windet sich einen letzten Hang hinunter und wir rollen auf den Hof des Busterminals von Valparaiso. Es riecht nach Meer und Hafen. Ein Taxi ist schnell gefunden und wenige Minuten später stehen wir mit vor Staunen offen stehenden Mündern auf dem Balkon unseres Hotelzimmers und blicken über die Dächer der Stadt hinweg in die Bucht von Valparaiso. Kein idyllischer Palmenstrand … trotzdem schön. Und wir sind am Pazifik!

A room with a view …

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