Santiago

Rumpelnd, Meter um Meter ansteigend, zieht uns die Standseilbahn den steilen Hang hinauf. Noch vor ein paar Tagen sind wir mit der Polybahn ganz ähnlich zur ETH in Zürich hinauf gerumpelt … dick in Wintermäntel gehüllt. Ganz anders heute. Wir lassen uns bei angenehmen Sommertemperaturen gern den etwas kühlenden Fahrtwind ins Gesicht wehen. Links und rechts zieht üppiges Grün an uns vorbei und statt auf Zürich blicken wir auf die Mega Metropole Santiago hinab.

Um uns orientieren zu können, bietet sich Santiagos Hausberg „Cerro San Cristobal“ wunderbar an. Der Berg mit einem riesigen Park wird förmlich von der Stadt „umspült“ … mittendrin in einem Meer aus Hochhäusern. Dieses „Meer“ dehnt sich in westliche Richtung dem Horizont und somit dem Pazifik entgegen. In der anderen Richtung verhindert das eine unüberwindliche natürliche Grenze. Unmittelbar am Stadtrand ragt die Bergwand der Anden riesig auf und im Dunst der Grossstadt sind die schneebedeckten Gipfel eher zu erahnen, als wirklich noch zu erkennen.

Conny und ich haben uns in den letzten beiden Tagen durch die Stadt treiben lassen. Am ersten unserer Santiago Tage wirkte die Stadt wie ausgestorben. Alle Läden sind geschlossen. Dicke Gitter versperren den Zugang und schmutzig, graue Rollläden verhindern einen Blick in mögliche Lokale oder Geschäfte. Liegt eventuell daran, dass auch hier das neue Jahr gerade begonnen hat und an einem 1. Januar noch nicht so viel läuft 😉 … am zweiten Tag erwacht die Stadt langsam wieder. Erste Rollläden gehen auf und Gitter werden geöffnet. Am warmen Sommerabend flanieren viele Menschen mit uns durch „unser“ Viertel und vor den Cafés und Restaurants sitzen lachende Menschen.

Wie wirkt die Stadt auf uns? Ich fange an zu vergleichen, zu sortieren … soll ich nicht tun, passiert aber automatisch. Zuerst vergleiche ich die Stadt mit New York. Die beiden Feuerwehr Wagen in der Silvesternacht sehen so was von New York aus, brettern mit lauter Sirene und tiefen Grummeln die Strasse hinab. Dann diese dicht an dicht stehenden Hochhäuser … keine echten Wolkenkratzer, aber die Gebäude bilden ähnliche Strassenschluchten mit grauen Häuserwänden wie in der Stadt, die niemals schläft. Aber die umliegenden Berge „zerstören“ das Bild …

Der zweite Vergleich ist ebenfalls sehr schnell da … Tel Aviv. In unserem Viertel wechseln sich Gebäude aus der Zeit des Jugendstils mit schlichten, sogar weiss gestrichenen Gebäuden ab. Die klaren Formen, die sanften Rundungen erinnern sofort an Bauhaus und die Siedlungen in Tel Aviv. Wir wandern in einen Innenhof und bleiben vor einem Portal eines dieser Häuser stehen. Ein dunkler Innenhof Schacht, der den Himmel in einem kleinen Quadrat sichtbar lässt. Hinter dem Glasportal wird ein schönes Treppenhaus sichtbar und links neben der Eingangstür informiert eine kleine, unscheinbare Plakette darüber, dass hier Salvador Allende lebte. Da ist es wieder, treiben lassen und über die richtigen Orte quasi stolpern.

Aber noch mehr erinnert uns die wunderbare, grossflächige Streetart an den Wänden der Gebäude an die weisse Stadt am Meer. Santiago gliedert sich in Stadtviertel, Barrios. Unser Hotel liegt im Barrio Lastarria. Ein aufstrebendes Viertel mit sanierten Gebäuden, meist nur vier- bis sechsstöckig und vielen Theatern, Museen und Cafés … Bohème eben. Der Rio Mapucho, ein braunschlammiger, kanalisierter Fluss direkt aus den Bergen grenzt das Viertel auf der einen Seite ab. Ein Park säumt den Uferbereich auf unserer Seite und sorgt für einen tollen Blick aus dem Fenster unseres Hotels … Palmen säumen links und rechts die Aussicht auf den mit einer Marien-Statue bekrönten Cerro San Cristobal.

Auf der anderen Flussseite liegt das Barrio Bella Vista. Der Häuser werden niedriger und schmiegen sich an den Bergrücken. Wenn du hier durch die Strassen wanderst ist dies wie ein Galeriebesuch. Fast jede Fassade ist kunterbunt bemalt und die Motive sind so unterschiedlich. Zum Teil weisen die Bemalungen auf die Nutzung der Gebäude hin, Disco oder Tatoo Studio zum Beispiel. Oder es werden Naturmotive dargestellt, Puma vor Andengipfel als ein anderes Beispiel.

Noch etwas Reisepraktisches … mein Spanisch ist ausbaufähig. Mein heutiges Sandwich (die Chilenen lieben Sandwich mit fett Mayo drauf zum Morgen, Mittags und als Abenddinner) war dick mit Rinderzunge belegt … ich mag das eigentlich nicht. Habe mich tapfer durch Dreiviertel des Sandwichs gekämpft und weiss jetzt, wenn „Lengua“ auf der Karte steht, nehm ich es nicht!

Die Sonne geht langsam unter und wir schauen zufrieden in die Stadt hinein …

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